Geistes- und Sozialwissenschaften: Schüler arbeiten im Denkwerk

Geistes- und Sozialwissenschaften
Schüler arbeiten im Denkwerk

Seit 2004 fördert die Robert-Bosch-Stiftung so genannte Denkwerke. Das wichtigste Kriterium des Programms: Schüler, Lehrer und Wissenschaftler vernetzen sich, und zwar dauerhaft für mindestens drei Jahre. Dabei sind die Projekte so vielfältig wie die Forschungsgebiete in den Geistes- und Sozialwissenschaften.

Kunsthistoriker betrachten Gemälde anders als Laien. Warum das so ist und welche Methoden für die Bildinterpretation zur Verfügung stehen, lernen Gymnasiasten aus elf Schulen in einer "Schule des Sehens" in Berlin. Das Projekt des Kunsthistorischen Instituts der FU Berlin nennt sich "Denkwerk" und wird mit elf anderen Denkwerk-Initiativen von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert, um Schüler mit Geistes- und Sozialwissenschaften vertraut zu machen.

BERLIN. Die Denkwerke werden seit 2004 mit 800 000 Euro gefördert. Im "Jahr der Geisteswissenschaften" kommen 30 neue Projekte dazu, die mit einer Million Euro unterstützt werden. Seit Jahresbeginn läuft eine neue Ausschreibung. Es ist ein ehrgeiziges Ziel, wie Projektleiterin Atje Drexler weiß, weil jedes Projekt auch die Unterstützung der Stiftung braucht.

Das wichtigste Kriterium des Programms: Schüler, Lehrer und Wissenschaftler vernetzen sich, und zwar dauerhaft für mindestens drei Jahre. Dabei sind die Projekte so vielfältig wie die Forschungsgebiete in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Viele Denkwerke sind regional ausgerichtet, um die Erfahrungen der Schüler einzubinden. So begeben sich 300 Schüler in Unterfranken gemeinsam mit dem Dialektinstitut der Universität Würzburg auf die Spuren des rollenden "Rs" und erforschen ihren Dialekt. Gymnasiasten in Münster spüren mit dem Seminar für Kirchengeschichte in ihrer traditionell katholisch geprägten Heimat dem Wandel religiöser Werte und den Beziehungen zum Islam nach.

In Ingolstadt arbeitet der Soziologe Rainer Greca mit Schülern und Lehrern in einem Denkwerk, das die Auswirkungen von Migration und Integration auf die Region erforscht. Das theoretische Rüstzeug dazu erarbeiten sich 40 Schüler und 20 Studenten in einem Seminar zur Geschichte und zum aktuellen Stand der Migration, das der Soziologieprofessor der Katholischen Universität Eichstätt gemeinsam mit einem Sozialhistoriker veranstaltet. Das Projekt ist vielfältig, weil Hauptschüler mit Migrationshintergrund genauso eingebunden werden wie Unternehmer, Gewerkschaften oder Migrationsbeauftragte der Firma Audi. Grecas wichtigstes Motiv: "Ich will den Schülern zeigen, dass Probleme mit Hilfe von geistes- und sozialwissenschaftlichen Methoden gelöst werden können."

Die Denkwerk-Schüler sind engagiert, ihre Lehrer sind es auch. Allerdings will die Robert-Bosch-Stiftung den Pädagogen künftig noch mehr Unterstützung geben, weil die Forschungsprojekte neben dem Schulalltag kaum zu stemmen sind. Zudem will die Stiftung künftig mehr interdisziplinäre Projekte anregen. Die Schüler sollen eine Orientierungshilfe bekommen. Auch damit sie nicht ohne Vorwissen geisteswissenschaftliche Fächer wählen. "Denn wir vermitteln auch banale Wahrheiten", macht die Projektleiterin deutlich. "Man muss Texte lesen, interpretieren und oft in mühevoller Kleinarbeit Informationen heraussuchen."

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