Geisteswissenschaften
„Abfallprodukt der Forschung“

Ungewöhnlicher Wissenstransfer: Seit sechs Jahren setzen Systemtheoretiker vom Management Zentrum Witen soziologische Theorien um und beraten Unternehmen

WITTEN. Wer eine Lösung sucht, hat ein Problem. Eine simple Wahrheit, die man nicht gerade von einem Unternehmensberater erwartet. Der wird dafür bezahlt, Lösungen zu finden. Der Soziologie-Professor Dirk Baecker von der Privat Witten/Herdecke-Universität sieht das anders. Er geht mit dem flotten Spruch auf Kundenfang.

Mit zwei Dingen müssen die Unternehmen leben, die er berät. Erstens stellt er deren Probleme in Frage. Warum ist das Ihr Problem, fragt er; ist es denn überhaupt eins? Zweitens ist Baecker in erster Linie auf wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn aus. Denn seine Unternehmensberatung ist im Grunde ein nützliches Abfallprodukt der Forschung - und ein praktisches Betätigungsfeld für Studierende. Dass Ergebnisse für die Wirtschaft herausspringen, "haben wir nicht gewollt", sagt der Soziologe, "aber wir kommen gerne mit den Unternehmen ins Gespräch".

Zum Beispiel in Wuppertal. Dort berieten Baecker und seine Studierenden eine Wohnungsbaugesellschaft. Die konnte sich die Mieter nicht selbst aussuchen und hatte Probleme mit Vandalismus. Ständig standen Renovierungen an. Ein Betriebswirt, glaubt Baecker, hätte dazu geraten, die Qualität der Wohnungen zu reduzieren, "eine zynische, aber ökonomisch sinnvolle Antwort". Die Wittener Idee passte eher zum Selbstverständnis des Unternehmens. Sie lief darauf hinaus, das Wohnumfeld gemeinsam mit den Bewohnern zu verbessern. Der Vorschlag wurde am Ende zwar nicht realisiert, aber das stört Baecker nicht. Das Unternehmen hat neue Perspektiven bekommen - das war das Ziel. Weiterdenken kann es nun alleine.

Seit sechs Jahren mischen Baecker und seine Kollegen Fritz B. Simon und Rudi Wimmer mit dem Management Zentrum Witten (MZW) in der Beraterbranche mit. Das MZW ist eine Ausgründung aus der Privat-Uni und ein Unternehmen mit begrenztem unternehmerischem Ehrgeiz. Der liegt vielmehr darin, soziologische Theorien praktisch nutzbar zu machen.

Seite 1:

„Abfallprodukt der Forschung“

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%