Geisteswissenschaften
Krise? Welche Krise?

Perfekt ausgestattete Labors werden nicht gebraucht. Auch Hochleistungsrechner nicht. Nur eine Ressource brauchen Forscher in den geisteswissenschaftlichen Fächern: Zeit zum Forschen. Doch Zeit zum Forschen kostet Geld und erfordert neues Denken. Wie Experten mit Forschungsministerin Annette Schavan über die Zukunftsperspektiven der Geisteswissenschaften streiten.

HAMBURG. Der Anteil der Sozial- und Geisteswissenschaften an den Ausgaben der deutschen Universitäten betrage gerade mal sieben Prozent, rechnete Michael Göring vor, der Vorstandsvorsitzende der "Zeit"- Stiftung. Investitionen in Zeit zum Forschen helfen, Fragen zu lösen, ergänzte Christoph Markschies, Präsident der Berliner Humboldt-Universität, "Fragen des Handelns und der Freiheit des Handelns". Diese könnten nur mit Hilfe der geisteswissenschaftlichen Forschung gelöst werden, aber auch nicht allein von ihr. Als Beispiel nannte der Theologe die Neurowissenschaft - ein klassischer Fall von interdisziplinärer Zusammenarbeit von Neurologen, Psychologen, Linguisten und anderen.

Doch Zeit zum Forschen kostet Geld, erfordert neues Denken, wie etwa Überlegungen zu Lehrstuhlvertretungen und individueller Förderung. Umso erfreuter waren die Teilnehmer des ersten Streitgesprächs der Initiative "Pro Geisteswissenschaften" am Montagabend in Hamburg, als Bundesforschungsministerin Annette Schavan nicht nur mehr Zeit zusagte, sondern von konkreten neuen Fördermaßnahmen berichtete.

Sie wolle ein klares Signal für die Geisteswissenschaften setzen, sagte die studierte Theologin und Erziehungswissenschaftlerin - denn angegriffen wurde sie von dem Hamburger Kunsthistoriker Wolfgang Kemp, der die Exzellenz-Initiative kritisierte. Immerhin, in den Richtlinien des Forschungsministeriums heißt es schwarz auf weiß: "Bildung, Wissenschaft und Forschung sichern die geistige Vitalität und intellektuelle Strahlkraft unseres Landes. Sie dürfen nicht auf ihre ökonomische Verwertbarkeit reduziert werden." Im Haushalt 2007 ist die Förderung für sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung um rund 22 Prozent auf 44,3 Millionen Euro gesteigert worden.

Gehört das Reden über eine Krise demnach zur eingeübten Larmoyanz? Pünktlich zum "Jahr der Geisteswissenschaften" 2007 scheint der "magic moment" der Geisteswissenschaften nun gekommen. Auch die Außenwirkung klappt, bestätigten alle Teilnehmer: Der Ruf der deutschen Geisteswissenschaften im Ausland ist außergewöhnlich. Georg Schütte, Generalsekretär der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, nannte ein Beispiel: "40 bis 45 Prozent der Forschungsstipendiaten aus den USA sind Sozial- und Geisteswissenschaftler."

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