Gender-Studies Feministinnen erforschen sich selbst

Die junge Disziplin der „Gender-Studies“ befindet sich seit einigen Jahren in einem Höhenflug ohnegleichen. Damit hat sich ein Fach etabliert, das nicht nur die Universitäten umkrempelt, sondern die Welt verändern will. Eins, das auf einer fragwürdigen Theorie beruht.
  • Ferdinand Knauss
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Drei Wochen alter Säugling: Die Anhänger der Gender-Studies gehen davon aus, dass sich das Geschlecht eines Menschen erst entwickelt. Foto: dpa Quelle: dpa

Drei Wochen alter Säugling: Die Anhänger der Gender-Studies gehen davon aus, dass sich das Geschlecht eines Menschen erst entwickelt. Foto: dpa

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Wer in akademischen Kreisen nach dem „Geschlecht“ fragt, muss mit Gegenfragen rechnen: Geht es um das biologische oder um das angeblich sozial konstruierte Geschlecht, im Fachjargon „Gender“ genannt? Die junge Disziplin der „Gender-Studies“ befindet sich seit einigen Jahren in einem Höhenflug ohnegleichen. Damit hat sich ein Fach etabliert, das nicht nur die Universitäten umkrempelt, sondern die Welt verändern will.

„Gender-Studies haben nachgewiesen, dass es kein vorgefertigtes Geschlecht gibt – es ist ein Konstrukt, abhängig von historischen und kulturellen Kontexten“, sagt Thorsten Voß, Dozent für den Studiengang Gender-Studies an der Universität Bielefeld. Das ist die ideologische Grundlage, das Mantra dieser Disziplin. Sie beruht auf einer Theorie des Psychologen John Money, die in den 70er-Jahren von Feministinnen begeistert aufgenommen wurde.

Moneys Versuch, seine Theorie der erlernten Geschlechtsrollen durch „Geschlechtsneuzuweisung“ am lebenden Objekt zu belegen, endete tragisch mit dem Selbstmord seines Patienten. Moneys Auffassungen sind durch die Naturwissenschaften, vor allem die Hirnforschung, längst widerlegt. Seine „Gender Identity Clinic“ am John-Hopkins-Krankenhaus in Baltimore wurde 1979 geschlossen. Mediziner und Psychologen nutzen zwar den Begriff Gender, allerdings im gegensätzlichen Sinn: Gender-Medizin betrachtet gerade die fundamentalen Unterschiede der Geschlechter.

Was Eltern seit eh und je erfahren, ist auch nach Jahrzehnten geschlechtsverleugnender Pädagogik noch evident: Jungen und Mädchen, Männer und Frauen trennt nicht nur der „kleine Unterschied“. Sie sind im Wesen verschieden. Die Wochenzeitung „Die Zeit“, des antiemanzipatorischen Konservatismus unverdächtig, stellte kürzlich fest: „Alle erzieherischen Versuche, aus Jungen und Mädchen geschlechtsneutrale Wesen zu machen, sind gescheitert.“

Das politische und akademische Establishment findet sich nicht damit ab. „Gender-Mainstreaming“ (engl. mainstream = Hauptströmung) ist seit rund zehn Jahren offizielles Politikziel in Berlin und den meisten anderen westlichen Hauptstädten. Die Gender-Theorie wird damit „zum zentralen Bestandteil bei allen Entscheidungen und Prozessen“, wie es auf der Homepage des Bundesfamilienministeriums heißt. Daran haben auch kritische Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen“ und im „Spiegel“ nichts ändern können.

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4 Kommentare zu "Gender-Studies: Feministinnen erforschen sich selbst"

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  • Es ist erfreulich festzustellen, dass schon 2007 und früher aufmerksame Beobachter auf die Genderseuche hingewiesen haben.

    Nun wird ja gegen die Genderkritiker zum Halali geblasen:
    http://www.boell.de/downloads/SchriftenreiheGWI_Band9.pdf

    Jan Fleischhauer nimmt dagegen Stellung: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fleischhauer-kolumne-vorsicht-gender-gegner-a-910563.html (11.7.2013)

  • Erstaunlich, dass die totalitäre Vereinnahmung des Wissenschaftsbetriebes durch Gender Mainstreaming nur so wenige Kommentare zeitigt, wenn man bedenkt, wie gerade Liberale sonst immer fürchten, die Freiheit der Wirtschaft wäre in Gefahr. Es wäre ratsam zu bedenken, dass es nicht darum geht, die Inhalte sozialistisch-genderwissenschaftlicher Ausführungen durch Diskussion zu adeln. Es geht darum, dass Freiheit von Lehre und Forschung bewahrt werden, indem man einen ideologischen Auslegungskanon der feministischen Lesarten aus den Unis heraushält. Was als "Diversity" daherkommt, schafft eine Monokultur. Im Ergebnis der Versuch, mit den gleichen Rechtfertigungsstrategien zu arbeiten, wie es der wissenschaftliche Marxismus vorgeführt hat, führt in einer gender-logische Planwirtschaft, bei der Frauen- und Transgender-Beauftragte den ethischen und rationalen Rahmen diktieren. Die Ansätze sind in allen Bundestagsparteien mehr als deutlich in Fachgruppen ausformuliert, EU-Recht bricht nationales Recht und die Juristen werden dies durch Sonderrechte gegen das Grundgesetz legitimieren. Wer glaubt, er könne sich über eine Duldungsstarre daran vorbeimogeln, schadet seinem Unternehmen.

  • Erstaunlich, dass die totalitäre Vereinnahmung des Wissenschaftsbetriebes durch Gender Mainstreaming nur so wenige Kommentare zeitigt, wenn man bedenkt, wie gerade Liberale sonst immer fürchten, die Freiheit der Wirtschaft wäre in Gefahr. Es wäre ratsam zu bedenken, dass es nicht darum geht, die Inhalte sozialistisch-genderwissenschaftlicher Ausführungen durch Diskussion zu adeln. Es geht darum, dass Freiheit von Lehre und Forschung bewahrt werden, indem man einen ideologischen Auslegungskanon der feministischen Lesarten aus den Unis heraushält. Was als "Diversity" daherkommt, schafft eine Monokultur. Im Ergebnis der Versuch, mit den gleichen Rechtfertigungsstrategien zu arbeiten, wie es der wissenschaftliche Marxismus vorgeführt hat, führt in einer gender-logische Planwirtschaft, bei der Frauen- und Transgender-Beauftragte den ethischen und rationalen Rahmen diktieren. Die Ansätze sind in allen Bundestagsparteien mehr als deutlich in Fachgruppen ausformuliert, EU-Recht bricht nationales Recht und die Juristen werden dies durch Sonderrechte gegen das Grundgesetz legitimieren. Wer glaubt, er könne sich über eine Duldungsstarre daran vorbeimogeln, schadet seinem Unternehmen.

  • im Grunde ein interessanter Artikel, er macht jedoch einmal mehr einen häufig angetroffenen Kardinalfehler:
    intersexualität und Transsexualität sind keine sexuellen Orientierungen und stehen auch nicht der Heteronormativität, sondern Cisnormativität entgegen. Ausserdem begreiffen sich beide nicht als Queer, sondern sind medizinische Diagnosen.

    Auch Moneys Demontierung nur auf David Raimer zu beschränken wäre unsinn. Vor allem unter intersexuellen hat die behandlungsempfehlung, möglichst früh chirurgisch ein Geschlecht festzulegen zu viel Trauma bei betroffenen geführt. Selbst wenn die "Geschlechtsidentität" ein Treffer war, was sehr häufig nicht der Fall war.
    Und das Problem mit diesen frühkindlichen Operationen ist auch heute noch aktuell, da noch immer solche Operationen ausgeführt werden.

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