Genetik
Erbgut des Pferdes entschlüsselt

Seit Jahrtausenden ist gehört das Pferd zu den wichtigsten Nutztieren des Menschen. Jetzt ist es Wissenschaftlern gelungen, das Erbgut der Vierbeiner zu entschlüsseln. Ein wichtiger Meilenstein auch auf dem Weg zur Bekämpfung menschlicher Erbkrankheiten.
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HB FRANKFURT/MAIN. In einem dreijährigen Großprojekt haben Forscher das Erbgut des Pferdes entschlüsselt. Die Studie zeigt, dass ein auffällig großer Teil des Genoms mit dem des Menschen übereinstimmt. Aus der im Magazin „Science“ veröffentlichten Analyse erhoffen sich Wissenschaftler Aufschluss über die Ursachen Dutzender menschlicher Erkrankungen.

Das Forscherteam um Koordinatorin Kerstin Lindblad-Toh vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) entschlüsselte zunächst das Erbgut eines Rennpferdes, der Thoroughbred-Stute Twilight, und anschließend das Genom von etlichen weiteren Rassen. Mit rund 2,7 Milliarden DNA-Bausteinen ist das Pferdegenom etwas größer als das des Hundes, aber kleiner als das von Mensch oder Kuh. Gut die Hälfte der Pferdegene liegt auf den Chromosomen in der gleichen Reihenfolge wie beim Menschen. Zum Vergleich: Beim Hund sind es nur 29 Prozent.

Die Analyse des Pferdegenoms könnte künftig auch Aufschluss geben über menschliche Erkrankungen. Mehr als 90 erbliche Pferdeleiden zeigen auffällige Ähnlichkeiten mit menschlichen Krankheiten, darunter muskuläre und entzündliche Leiden oder Unfruchtbarkeit. „Pferde und Menschen leiden an ähnlichen Krankheiten“, sagt Lindblad-Toh. „Daher verspricht das Ermitteln der genetischen Schuldigen beim Pferd, unser Krankheitswissen um beide Organismen zu vertiefen.“

Ein Beispiel lieferten die Forscher bereits. Sie analysierten die Ursache der gefleckten Haut, wie sie etwas für die Rasse Appaloosa typisch sind. Solche gefleckten Pferde leiden oft an einer Nachtblindheit, die der des Menschen ähnelt. Die Liste der verdächtigen Genmutationen schränkten die Forscher bereits auf 42 ein. Zwei davon liegen bei einem Gen, dass an der Pigmentbildung beteiligt ist. „Das unterstreicht den Nutzen des Pferdes zur Kartierung von Krankheitsgenen“, betont Erstautorin Claire Wade von der Universität Sydney.

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