Genforschung
Erbgut eines Koreaners veröffentlicht

Wissenschaftler veröffentlichen das vollständige Erbgut eines anonymen Koreaners. Nur sein Laborname ist bekannt - AK1. Die Forscher wollen zum Verständnis des menschlichen Genoms beitragen. Und zeigen dabei vor allem, dass viele entscheidende Fragen noch ungeklärt sind.
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DÜSSELDORF. Das weltweit fünfte veröffentlichte Erbgut eines Menschen stammt von einem anonymen Koreaner. Das Team um Seo Jeong Sun von der Nationaluniversität Seoul präsentiert das vollständige Genom in der britischen Fachzeitschrift "Nature". Von dem Koreaner wurde nur der Laborname, AK1, bekannt.

Der Vergleich individueller Erbgutsequenzen von Menschen verschiedener Herkunft könnte, so schreiben die Autoren in "Nature", auch helfen, die genetische Abstammung heutiger Menschen und Migrationsmuster zu verstehen. Mit der Sequenzierung wollen die Genforscher weiter zum Verständnis der ethnischen Vielfalt und der individuellen Verschiedenheit beigetragen. Das könnte auch bei der Behandlung vieler erblich bedingter Krankheiten eine Rolle spielen.

Die Erbgut-Sequenzierungstechnik hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Seit 1995 konnte durch DNA-Sequenzierung das Genom von über 330 verschiedenen Organismen analysiert werden, darunter das des Menschen. Das bedeutete allerdings zunächst nur, dass die grundlegende Reihenfolge der mehrere Milliarden Basenpaare des Erbgutes bekannt wurde. Die Genome zweier Menschen unterscheiden sich aber an mindestens drei Millionen Stellen. Und auf die kommt es bei der individuellen Genom-Analyse an.

Manche Forscher vermuten, dass vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft jeder seine gesamte genetische Information auf einem Chip in der Versicherungskarte mit zum Arzt nehmen kann. Der könnte dann zum Beispiel die Dosierung von Medikamenten auf die Gen-Varianten des Patienten abstimmen.

Dass bestimmte Genvarianten in verschiedenen Ethnien sehr verschieden häufig sind, ist längst bekannt. Zum Beispiel fehlt AK1 wie den meisten Nordostasiaten das Gen LILRA 3, das für die Produktion eines bestimmten Rezeptors im Immunsystem zuständig ist. Warum dieses Gen fehlt und welche Funktion der Rezeptor hat, ist noch nicht geklärt. Die genaueren Zusammenhänge zwischen individuellen Unterschieden und Gemeinsamkeiten innerhalb von Ethnien sind noch wenig bekannt.

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