Genforschung
Forscher entziffern das Erbgut der Kuh

Ein internationales Forscherteam hat das gesamte Erbgut der Kuh entziffert. Von der Analyse des Genoms erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Evolution der Säugetiere ebenso wie Fortschritte in der Fleisch- und Milchproduktion.
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ap FRANKFURT/MAIN. In einem weltweiten Großprojekt haben hunderte Forscher das Genom der Kuh entschlüsselt. Die Analyse der Erbanlagen gibt nicht nur Aufschluss über die Evolution von Rindern, sondern könnte in den kommenden Jahren auch die Milch- und Fleischproduktion verbessern. Zudem lassen sich möglicherweise Rassen züchten, die weniger anfällig für Krankheiten sind. Auch die Humanmedizin und sogar das Weltklima könnten den Wissenschaftlern zufolge von den Erkenntnissen profitieren.

Insgesamt beteiligten sich mehr als 300 Forscher aus 25 Ländern an dem Projekt, das vor sechs Jahren startete. Im ersten Schritt entschlüsselten die Wissenschaftler das Genom des Hereford-Rinds, das vor allem zur Fleischproduktion genutzt wird. Zusätzlich analysierten sie Erbanlagen von rund 500 anderen Rassen aus Europa, Afrika und Asien.

Wie die Forscher im Magazin „Science“ berichten, umfasst das Genom von Bos taurus, dem Hausrind, mindestens 22 000 Gene. 80 Prozent davon kommen auch beim Menschen vor. Damit ist das Genom des Rinds dem menschlichen Erbgut wesentlich ähnlicher als etwa das von Mäusen oder Katzen. Weitere Analysen könnten den Forschern zufolge Aufschluss darüber geben, welche Rolle bestimmte Gene bei der Entstehung menschlicher Krankheiten spielen.

Aber auf besonders reges Interesse dürften die Resultate bei der Milch- und Fleischindustrie stoßen. Denn mit den Erkenntnissen lassen sich künftig gezielt Rassen entwickeln, die mehr Milch und hochwertigeres Fleisch produzieren. Dies ist besonders wichtig angesichts des Bevölkerungswachstums und der prognostizierten Lebensmittelknappheit.

Ließen sich künftig besonders widerstandsfähige Tiere züchten, könnte dies auch den Verbrauch an Medikamenten wie etwa Antibiotika senken. Selbst der Klimawandel könne von den Erkenntnissen profitieren, glaubt der Koordinator des Projekts, Richard Gibbs vom Baylor College of Medicine in Houston: „Wir hoffen, dass die Informationen auch dazu genutzt werden, innovative Wege zu entwickeln, um den Einfluss von Rindern auf die Umwelt zu senken, etwa die von den Herden ausgestoßenen Treibhausgase.“

Unabhängig von den möglichen Zukunftsszenarien ermöglicht der Erbgutvergleich der verschiedenen Rinderrassen auch einen interessanten Blick in die Vergangenheit: Demnach entstammen die heutigen Rassen verschiedenen, ursprünglich äußerst zahlreichen Vorläuferpopulationen in Europa, Asien und Afrika. Als der Mensch dann begann, die Tiere zu domestizieren und besonders ertragreiche oder widerstandsfähige Rinder zu züchten, schrumpfte die Vielfalt dieser Urrassen rapide zusammen.

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