Genovoxx analysiert das menschliche Erbgut schneller und kostengünstiger als bisherige Methoden
Die Jagd auf das 1000-Dollar-Genom

Drei Jahre nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms nehmen Forscher weltweit ein neues Ziel ins Visier: Die Entzifferung des individuellen Erbguts für weniger als 1 000 Dollar. Beste Aussichten Erfolg hat dabei ein kleines Lübecker Biotech-Unternehmen, das hier zu Lande jedoch keine Investoren findet.

LÜBECK. Im TV-Spiel um die begehrte Million hätte die Frage durchaus ihre Daseinsberechtigung: Was kostet zurzeit die Entzifferung des eigenen Erbguts?„Weit über fünf Millionen“, verrät Christian Hennig und liefert die Begründung gleich mit: „Bei knapp drei Milliarden Basenpaaren, die es zu analysieren gilt, ist das ein langwieriges Verfahren.“

Wenn es nach Hennig geht soll sich das bald ändern. Der Mitgründer der Lübecker Biotechfirma Genovoxx sorgt derzeit mit seinem Team weltweit für Aufsehen. Denn das Spinn-out der Universität entwickelt ein Verfahren, mit dem sich die Bausteine des Lebens möglicherweise schon bald bei jedem Menschen wesentlich kostengünstiger ablesen lassen werden.

Im Vergleich zu herkömmlichen Methoden, bei denen kleinste Fragmente der Erbsubstanz aufwendig vervielfältigt werden müssen, bevor sie untersucht werden können, arbeitet das Genovoxx-Verfahren auf einen Trick. „Wir zerstückeln die DNA in Milliarden Einzelteile, packen diese auf einen Spezialchip und untersuchen anschließend alle Fragmente gleichzeitig“, erklärt Hennig. Die Folge: Was bislang Jahre dauert, funktioniert auf so innerhalb von Tagen.

Die Idee dazu hatte Dimitri Tcherkassov bereits vor etwa vier Jahren im Rahmen seiner Doktorarbeit, als er an der Medizinischen Universität Lübeck studierte. Tcherkassov befasste sich mit der Entwicklung „eines schnellen Sequenzierverfahrens, das auf der so genannten parallelen Nukleotidsequenz- und Datenanalyse von jeweils mehreren Tausend unterschiedlichen einzelnen DNA-Molekülen basiert“, wie die Universität damals bekannt gab.

Weil die Erbsubstanz DNA aus einem Doppelstrang besteht, der – einem Reißverschluss gleich – nur dann ineinander greift, wenn beide Stränge zueinander passen, hatte Tscherkassov einen genialen Gedanken: Warum nicht den zu untersuchenden Reißverschluss-Strang einfach nach dem Lego-Prinzip nachbauen? Gelänge es, an jedem Zacken das passende Molekül anzudocken und diese Reihenfolge des Aneinanderkettens festzuhalten, hätte man die Sequenz des Originals entziffert.

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