Geoinformationssysteme
Schnelle Hilfe bei Katastrophen

Jüngste Studien warnen vor kommenden Unwettern als Folge des Klimawandels. Doch schon jetzt stoßen Rettungskräfte, Energieversorger und Katastrophenschützer an Grenzen, wenn Stürme wie Kyrill über das Land fegen. Geoinformationssysteme können im Ernstfall helfen, den Überblick zu behalten und wichtige Informationen liefern.

DÜSSELDORF. Dabei geht es nicht nur darum, sich mit Softwarehilfe schnell ein Bild von der Lage machen zu können. Die Systeme verbessern die Kommunikation, verständigen Betroffene und sorgen für ein reibungsloses Katastrophenmanagement.

Gerade auf den guten Informationsfluss zwischen Einsatzkräften und Entscheidern in der Leitstelle kommt es an – Beispiel Stromausfall: „Während Techniker einzelne Netzleitungen im Blick haben, interessiert den Krisenstab wie viele Menschen, in wie vielen Orten, wie lange von einem Stromausfall betroffen sind“, sagt Peter Hauffe, Abteilungsleiter des Geo-Informations-Service der Pfalzwerke. Der Regionalversorger aus Ludwigshafen nutzt seit Jahresbeginn ein GIS-gestütztes Störungs- und Krisenmanagement. Hauffe ist überzeugt: „Das macht für alle die Situation transparent, kennzeichnet betroffene Kunden, verkürzt vor allem Störungs- und Krisenzeiten und minimiert damit Kosten.“

Nur wenige Stunden nach der Freischaltung musste sich das System des Anbieters Aed-Sicad bereits im Orkan-Tief Kyrill bewähren. Sturmschäden, die Kyrill anrichtete, wurden laufend aus dem Netzleitsystem in das webbasierte GIS-Portal eingespielt, analysiert und grafisch aufbereitet. Damit konnten Ausfälle in Echtzeit lokalisiert und schneller behoben werden.

Auf den Karten erscheinen sensible Kunden auf Wunsch besonders markiert – etwa Firmen oder Dialysepatienten. Kunden, Ämter und Bürgermeister werden automatisch vom System durch eine individuell veränderbare Bandansage informiert. „Das spart in der Leitwarte enorm viel Zeit“, erklärt der Pfalzwerker. „Anstatt Betroffene anrufen zu müssen, können sich Mitarbeiter voll auf die Schadensbehebung konzentrieren.“

Bei jeder Lageveränderung legt das System automatisch ein PDF an, womit später der Schadensverlauf rekonstruiert und das Krisenmanagement analysiert werden kann. Auch präventiv können verschiedene Szenarien durchgespielt werden. Vorteil: Wer weiß, was passiert, wenn beispielsweise der Rhein über die Ufer tritt, kann gefährdete Flächen definieren und Sicherungsmaßnahmen ergreifen.

Eine spezielle Lösung dafür bietet die Software Floodarea von Geomer. Sie berechnet mit wasserwirtschaftlichen und geographischen Daten mögliche Hochwassergebiete – je nach Wasserstand. Rettungskräfte können mit Hilfe von Bebauungsplänen, Landkarten oder Notfallbestimmungen einen drohenden Ernstfall simulieren. Besonders hilfreich: Auch die Ausbreitung des Wassers wird dargestellt. Das hilft, Evakuierungen zu planen.

Geo-Informationssysteme spielen zunehmend auch eine Rolle bei der Ausstattung von Leitstellen der Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten. In Kooperation mit Mapinfo bietet die Firma Datagis ein System an, das bei einem Notruf sogar kartographisch anzeigt, ob sich in der Nähe des Unglücksortes gerade ein geeignetes Rettungsfahrzeug befindet. „Auf einen Klick lassen sich über Stadtpläne eine Reihe von Informationen legen, etwa wo Bahntrassen verlaufen, wo sich Chemiefabriken oder Trinkwasserschutzgebiete befinden“, erklärt Datagis-Geschäftsführer Markus Ruess.

Selbst die Altersstruktur in Wohnhäusern lässt sich visualisieren, um auf einen Blick über eine geeignete Evakuierung zu entscheiden. „Da spielt die graphische Darstellung von Geodaten ihren Vorteil aus, weil sie rasche Entscheidungen ermöglicht, ohne dass man sich durch die Fülle komplexer Datenbanken arbeiten muss“, sagt Ruess.

Trotz aller Vorzüge sind geodatengestützte Katastrophen- und Notfallmanagementsysteme noch nicht übermäßig verbreitet. Und das, obwohl Experten geographischen Informationssystemen eine Schlüsselrolle zusprechen. Thomas Homrighausen, Vetriebsleiter von Mapinfo, kennt die Hemmnisse: „Gelder werden meist nur bereitgestellt, wenn etwas passiert ist, und danach schläft das Engagement wieder ein. Dabei gibt es in diesem Bereich noch ein großes Verbesserungspotenzial, um es freundlich auszudrücken.“

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