Germanisches Gehöft
Archäologen entdecken Siedlungsplatz entlang neuer Gastrasse

Seit dem Frühjahr untersuchen Archäologen das Land entlang einer geplanten Gastrasse in Schleswig-Holstein. Auf dem Geestrücken wurden nun die fast 2.000 Jahre alten Überreste eines germanischen Gehöfts entdeckt.
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OwschlagBei archäologischen Grabungen entlang einer geplanten neuen Gastrasse ist in der Gemeinde Owschlag bei Rendsburg ein Siedlungsplatz aus dem 1. bis 2. Jahrhundert entdeckt worden. „So ein kleines Gehöft haben wir noch nie gefunden“, sagte Martin Segschneider vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein am Montag. Zu den vorgestellten Funden gehörten die Reste einer Hofanlage sowie Eisenverhüttungsöfen. „Die Funderhaltung ist super“, sagte Projektleiterin Cornelia Lübke.

Vor vier Wochen war mit den Grabungen begonnen worden. Die Zeit drängt: Das Genehmigungsverfahren für die etwa 64 Kilometer lange Trasse wird aller Voraussicht nach Ende des Jahres abgeschlossen. Der eigentliche Bau soll nach Angaben des Unternehmens Gasunie, das auch Auftraggeber der Grabungen ist, im Frühjahr starten.

Auf einem etwa 33 Meter breiten Arbeitsstreifen haben die Wissenschaftler des Landesamtes 80 Befunde festgestellt. Und sie sind begeistert. „Vorher dachte man, der Geestrücken ist ziemlich siedlungsfrei“, sagte Projektleiterin Lübke. Die Trasse gehe in Owschlag mitten durch das Zentrum des Siedlungsplatzes. Gefunden wurden etwa ein Gebäudeteil mit Hofeinfassung und ein weiteres Wohnstallhaus sowie Trägerpfosten, die die Dachkonstruktion trugen, erläuterte Grabungsleiterin Veronika Klems.

Der Siedlungsplatz stammt aus der älteren römischen Kaiserzeit. Es sei erst die zweite Anlage dieser Art, die in Schleswig-Holstein untersucht werde, sagte Segschneider. „Die Fundstelle war vorher völlig unbekannt.“ Sicher habe sich am Fundplatz ein ganzes Dorf befunden. Wie viele Menschen dort lebten, könne aber noch nicht gesagt werden.

Auf dem Arbeitsstreifen in Owschlag waren am Montag auf der ockerfarbenen Oberfläche dunkle Verfärbungen zu erkennen - an diesen Stellen habe sich humoses Material der Pfosten abgelagert, erklärte Klems. „Dass das so wunderschön deutlich ist, das hat man selten“, sagte Segschneider. Haus- und Hofabmessungen waren deutlich zu erkennen und von den Wissenschaftlern markiert worden. Auch Schlackereste, die unter einem ehemaligen Ofen in eine Grube geflossen waren, wurden durch die Grabungen sichtbar.

Insgesamt wurden seit Anfang Mai entlang der geplanten Trasse Fockbek-Ellund 100 Fundstellen entdeckt. An 75 Stellen seien Voruntersuchungen gemacht worden oder noch geplant, sagte Lübke. An zehn Orten sei eine Hauptuntersuchung nötig geworden. Auf drei Flächen seien diese schon abgeschlossen, in Fockbek im Kreis Rendsburg-Eckernförde und in Eggebek im Kreis Schleswig-Flensburg.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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