Geschichte
Uni Eichstätt untersucht Bolschewismus und Nationalsozialismus

Mit einem neu gegründeten internationalen Netzwerk will das Zentralinstitut für Mittel- und Osteuropastudien (Zimos) an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt die vergleichende Erforschung von Bolschewismus und Nationalsozialismus vorantreiben.

dpa EICHSTäTT. Mit einem neu gegründeten internationalen Netzwerk will das Zentralinstitut für Mittel- und Osteuropastudien (Zimos) an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt die vergleichende Erforschung von Bolschewismus und Nationalsozialismus vorantreiben.

„Es ist unser Ziel, ungeachtet aller Unterschiede beider Regime auch Parallelen aufzuzeigen“, sagte Leonid Luks, stellvertretender Direktor des Zimos, am Mittwoch der dpa.

„Die Singularität des Holocausts soll dabei aber auf keinen Fall in Frage gestellt werden“, sagte Luks mit Blick auf den so genannten Historikerstreit in den 80er Jahren. Damals hatte der Historiker Ernst Nolte eine heftige Debatte über die Bewertung der Nazi- Verbrechen ausgelöst.

„Nolte hatte versucht, den Nationalsozialismus apologetisch als Reaktion auf den Bolschewismus darzustellen“, sagte Luks. „Wir machen genau das Gegenteil, wir analysieren die beiden totalitären Systeme und versuchen Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede aufzuzeigen.“ Eine solche Analyse auf breiter dokumentarischer Basis könne dazu beitragen, das Wesen dieser Phänomene gründlicher zu verstehen. Es gehe dabei nicht um eine Verniedlichung eines der beiden Regime, betonte Luks.

An dem Netzwerk sind Historiker der Universität Eichstätt- Ingolstadt, des Münchner Instituts für Zeitgeschichte und Wissenschaftler aus Litauen und Russland beteiligt. Sie untersuchen und vergleichen verschiedene Teilaspekte der beiden Regime, wie etwa die Behandlung von Kriegsgefangenen oder die Justiz im stalinistischen Russland und dem nationalsozialistischen Deutschland. „Wir greifen auch auf russische Quellen zurück, das hat Nolte damals nicht gemacht“, sagte Luks. Durch regelmäßige Tagungen, Workshops und Lehrveranstaltungen soll eine bessere Vernetzung bestehender Projekte und ein kontinuierlicher Meinungsaustausch ermöglicht werden. Derzeit werden im Online-Auftritt des mehrsprachigen Netzwerks zehn Forschungsprojekte vorgestellt, man sei aber nach eigenen Angaben offen für weitere Forschungsvorhaben.

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