Geschichtswissenschaften
Als das Geld die Kriege gewinnen sollte

Altertumswissenschaftler untersuchen derzeit verstärkt die historischen Zusammenhang zwischen finanzieller und militärischer Macht: Wann wurde aus dem Kämpfer für Ehre und Vaterland der Berufssoldat? Und gewinnt Geld wirklich Kriege?
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DÜSSELDORF. Unter Fußballfreunden wird gerne diskutiert, ob „Geld Tore schießt“. Ähnlich könnte man auch diskutieren, ob Geld Kriege gewinnt. Altertumswissenschaftler zumindest untersuchen derzeit verstärkt die Rolle des Geldes für den Krieg. Ein Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat dazu vor kurzem den Band „Kriegskosten und Kriegsfinanzierung in der Antike“ veröffentlicht.

Krieg zu führen war nicht immer und nicht für jeden Kriegsherrn ein teures Unterfangen, wie Jürgen Malitz von der Universität Eichstätt in seinem Beitrag schreibt: Die Griechen kannten zur Zeit der Abwehrkriege gegen die Perser noch nicht das Problem der Kriegsfinanzierung, da die Bürger ihren Militärdienst ohne Sold leisteten. „Die Motive von ,Kriegskosten’ und ,Truppenbesoldung’ findet man auch deshalb nicht bei Herodot“, schreibt Malitz. Kriege wurden im alten Griechenland erst richtig teuer, als vermutlich ab 450 v. Chr. Soldaten besoldet wurden.

Wie Herausgeber Friedrich Burrer schreibt, entstand der Sold unter anderem als Kompensation, weil die Stadtstaaten den direkten Zugriff auf die Kriegsbeute wollten, die bislang den Soldaten zustand. Die Ruderer waren außerdem oft so arm, dass sie sich nicht selbst versorgen konnten. Bald warb Athen auch Fremde für den Dienst auf seinen Schiffen an. Der Krieg wurde zunehmend ökonomisiert und Soldat sein zum Beruf.

Perikles, der führende Staatsmann Athens, machte seinen Mitbürgern zu Anfang des Peloponnesischen Krieges (431 bis 404 v. Chr.) gegen Sparta Mut, indem er die Geldreserven der Stadt und die Tribute der Verbündeten betonte. So berichtet zumindest Thukydides. Diese 10 000 Talente in der Kriegskasse waren eine gewaltige Summe: Ein Talent entsprach 6 000 Drachmen, eine Drachme war der Tagessold eines Soldaten, egal ob schwer bewaffneter Hoplit oder Ruderer. Auch Offiziere erhielten offenbar nicht mehr.

Beim Konkurrenten in Sparta hielt man sich, Thukydides zufolge, dagegen zugute, dass die eigene Macht „weit mehr auf den Menschen als auf dem Geld beruht“. Ein Spartaner kämpfte nicht für Geld, zumindest damals noch nicht. Ganz ohne ging es allerdings auch für die Spartaner nicht. Der persische Großkönig übernahm die Rolle des Sponsors und erhielt dafür freie Hand in Kleinasien. Am Ende des Krieges beschäftigte die traditionelle Landmacht Sparta eine imposante Kriegsflotte – mit gut bezahlten Seeleuten, die oftmals von Athen übergelaufen waren.

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