Geschlechterrollen
Auch Affenjungen lieben Autos

Jungen lieben Bagger und Legos, Mädchen spielen lieber mit Puppen und Stofftieren - was für die meisten Menschenkinder gilt, trifft auch auf Affenarten zu. Männliche Rhesusaffen bevorzugen mechanisches Spielzeug wie Autos, weibliche spielen gleich viel Zeit mit Plüschtieren und Autos. Warum das so ist.
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Eine der ältesten Fragen der Verhaltensforschung ist die nach dem relativen Einfluss von Genen und Erfahrung: die Nature-versus-Nurture-Debatte. Es geht darum, zu erforschen, inwiefern Verhaltensweisen angeboren oder anerzogen sind. Alle Eltern können bestätigen, dass Jungen andere Spielzeuge mögen als Mädchen. Zwar spielen Mädchen auch gelegentlich mit Baggern und Legos, aber eben vor allem mit Stofftieren und Puppen, was Jungen meist wenig aufregend finden. Diese Unterschiede sind in vielen Studien belegt worden. Ein alter Hut.

Selbst bei mehreren Affenarten, beispielsweise Rhesusaffen (Macaca mulatta) wurde zuletzt gezeigt (Hassett et al. in der Zeitschrift "Hormones and Behavior"), dass zwischen den Geschlechtern Unterschiede in ihrer Präferenz für Spielzeuge bestehen, die denen bei Menschenkindern ähneln. Auch männliche Rhesusaffen spielen länger und öfter mit "Jungenspielzeugen" wie Autos, während weibliche Affen etwa gleich viel Zeit mit Plüschtieren und Autos verbringen. Man kann davon ausgehen, dass dieser "Sexualdimorphismus" in neurologischen Unterschieden - also in der Biologie - begründet ist, denn Sozialisierungsunterschiede ließen sich experimentell ausschließen.

Man sollte die Biologie akzeptieren

Fraglich war aber, wie Gene und Hormone verantwortlich sein sollen für die Bevorzugung von mechanischen und beweglichen Spielzeugen von männlichen Primaten, wenn Homo sapiens und seine Primatenverwandten in ihrer evolutionären Vergangenheit natürlich gar nicht mit Spielzeugautos in Kontakt gekommen sein können. Die Erklärung ist kompliziert. Sie hat mit der unterschiedlichen Verarbeitung räumlicher Information und Objektbewegungen bei beiden Geschlechtern zu tun. Weibchen finden alle Spielzeuge gleich interessant, während bewegliche Spielzeuge das Interesse von Männchen eher anziehen, bedingt durch deren gefilterte räumliche Wahrnehmung und deren angeborenes größeres Interesse an beweglichen Objekten.

Ein Teilaspekt dieses wissenschaftlichen Problems ist als "Geschlechterrollen" von den sogenannten Gender Studies ideologisiert worden. Diese Ideologisierung zeigt sich zum Beispiel an unserer Exzellenzuni, wo ein größeres Kinderhaus gebaut werden soll, was wunderbar ist für Akademiker und deren Kinder. Warum nur besteht unsere Frauenbeauftragte - Pardon: Chancengleichstellungsbeauftragte - darauf, dass in allen Räumen Kameras eingebaut werden? Man sollte die Biologie akzeptieren, auch wenn sie nicht in das ideologische Weltbild passt. Wenn empirische Fakten eine Lieblingstheorie zunichte machen, dann weiß man, sagte Karl Popper, dass man richtige Forschung betreibt.

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