Gesellschaft will Stiftung gründen
MP3 bringt Fraunhofer jährlich Millionen

Die Erfindung der MP3-Audiocodierung durch das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen sorgte für einen Meilenstein in der Unterhaltungstechnologie – und füllt die Kassen der Gesellschaft. Die MP3-Einnahmen wollen die Forscher nun gezielt für neue Forschung nutzen.

HB MÜNCHEN. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat allein im vergangenen Jahr rund 100 Mill. Euro aus MP3-Lizenzerlösen eingenommen. Mit dem Geld ist die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung geplant, die patentorientierte Forschungsprojekte fördern soll. Das teilten Fraunhofer-Präsident Hans-Jörg Bullinger und Finanzvorstand Alfred Gossner am Montag in München bei der Jahres- Pressekonferenz mit. Die MP3-Technologie hat sich zur komprimierten Speicherung von Musikaufnahmen weltweit durchgesetzt. Die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) ist nach eigenen Angaben die größte Organisation für angewandte Forschung in Europa.

Bund und Länder, die für die Fraunhofer-Gesellschaft die Grundfinanzierung gewährleisten, müssen der Stiftungsgründung noch abschließend zustimmen. Die 1949 als eingetragener Verein gegründete Gesellschaft, die die anwendungsorientierte Forschung zum direkten Nutzen für Unternehmen vorantreiben will, konnte im vergangenen Jahr ihr Finanzvolumen um 17 Prozent auf 1,25 Mrd. Euro ausbauen, berichtete Gossner. Mit den Projekterträgen finanziere die Fraunhofer-Gesellschaft zwei Drittel ihres Forschungsvolumens selbst, nur ein Drittel komme als Grundzuschuss von Bund und Ländern.

„Man muss viele Frösche küssen, um einen Prinzen zu finden“, beschrieb Bullinger das Grunddilemma bei der Förderung der angewandten Forschung. Dennoch rief der FhG-Präsident die deutschen Unternehmer zu mehr Risikobereitschaft auf. Natürlich sei jede Investition mit einem gewissen Risiko verbunden. „Aber wer mehr Neues und mehr Innovation will, muss bereit sein, mehr Risiko einzugehen.“ Mit Blick auf den internationalen Wettbewerb fügte er hinzu: „Wir können es uns nicht mehr leisten, wo potenzielle Juwelen da sind, diese nicht selbst zu schleifen, sondern sie als Rohdiamanten der ganzen Welt zu überlassen.“

„Wir wollen die Rolle der Fraunhofer-Institute als Brücke zwischen Hochschulen und der Wirtschaft weiter ausbauen“, betonte Bullinger. Mit Blick auf den technischen Weiterbildungsbedarf in der Industrie sei die Fraunhofer Technology Academy gegründet worden, die im September dieses Jahres ihre Arbeit aufnehmen solle. In mehr als 80 Forschungseinrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft sind den Angaben zufolge in ganz Deutschland 12 500 Mitarbeiter beschäftigt.

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