Gesellschaftsstudie

Was Japaner streng macht

Warum sind Niederländer tolerant, während in Japan strenge Sitten herrschen? Eine im renommierten Fachblatt "Science" vorgestellte Studie hat Zusammenhänge zwischen Lebensumständen und Kultur festgestellt.
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Japan Premierminister Naoto Kan verbeugt sich vor dem Parlament. In Japan herrschen strenge Sitten. Eine neue Studie bringt das mit den Herausforderungen in Verbindung, die die Japaner überstehen müssen. Quelle: Reuters

Japan Premierminister Naoto Kan verbeugt sich vor dem Parlament. In Japan herrschen strenge Sitten. Eine neue Studie bringt das mit den Herausforderungen in Verbindung, die die Japaner überstehen müssen.

(Foto: Reuters)

LandauWarum scheren sich in dem einen Land die wenigsten Menschen um die Straßenverkehrsordnung, während im anderen diese größtenteils befolgt wird? Oder warum kann man in Europa problemlos in der Öffentlichkeit Kaugummi kauen oder sich küssen, während das in Singapur oder Japan streng reglementiert ist beziehungsweise sich nicht ziemt? Ein internationales Forscherteam hat in einer 33 Länder umfassenden Studie die Gründe dafür untersucht, warum manche Gesellschaften mehr und andere weniger tolerant sind gegenüber Verhalten, das von der Norm abweicht. Die Ergebnisse sind jetzt in dem amerikanischen Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlicht worden.

Als Gründe für einen restriktiven Umgang mit Normen ergaben sich beispielsweise eine hohe Bevölkerungsdichte, knappe Ressourcen, häufige Naturkatastrophen, Unruhen oder Krankheiten und Epidemien - alles soziale Belastungen, die das alltägliche Leben über lange Zeit erschwert haben. "Verletzt in einem solchen Sozialverband jemand eine Norm, hat das gravierende Auswirkungen im Gegensatz zu Gesellschaften, die nicht oder weniger unter Druck stehen", erklärt Manfred Schmitt, Professor für Differentielle und Persönlichkeitspsychologie an der Universität Koblenz-Landau sowie einer der in Deutschland für die Studie verantwortlichen Wissenschaftler und Mitautor der Studie.

Die jeweilige Normorientierung hin zu Toleranz oder Strenge wird Bestandteil einer Kultur, über Erziehung, Schule oder Religion an nachfolgende Generationen weitergegeben und schlägt sich in der individuellen Psyche nieder. "Das Entwickeln von Normen ist ein träger Prozess, der sich über mehrere Generationen nicht verändert", so Schmitt. Dennoch könne es zu Verschiebungen aufgrund von gravierenden Anlässen kommen, wie in den USA, wo nach den Terroranschlägen vom 11. September das Bedürfnis nach Sicherheit und somit der Ruf nach strengeren Regeln und Sicherheitsvorkehrungen lauter wurde.

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5 Kommentare zu "Gesellschaftsstudie: Was Japaner streng macht"

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  • Wo und wie wurde denn gemessen? In den Städten, auf dem Land? In intoleranten Subkulturen oder bei den Freigeistern? Was heisst das überhaupt: "Die Kultur eines Landes"? Und was die dichte Besiedlung und Naturkatastrophen betrifft: die Niederlande hatten ihren gehörigen Anteil daran (Sturmfluten, Überschwemmungen), galten aber schon lange als "tolerant". Handel und damit verbundene weltweite Kontakte und Interessen könnten tolerant machen. Gäbe es nicht Singapur, Malaysia als Gegenbeispiele. Zufall, dass in der Liste der Intoleranten asiatische Länder eine prominente Rolle spielen? Hat wirtschaftliche Entwicklung etwas mit Toleranz zu tun? Welche Rolle spielt eigentlich Religion - von Hause aus eher intolerant? Welche Rolle spielt Bildung? Macht Bildung tolerant? Bildung ohne Indoktrination? Gibt es "echte Toleranz" nur durch das Ausmass in dem Parallelgesellschaften möglich sind? Dies scheint über Jahrhunderte das Rezept der Niederlande gewesen zu sein. Könnte eine Gesellschaft frei sein (d.h. tolerant mit Wahlfreiheit umgehen), die innerhalb ihrer Subgesellschaften totalitäre Haltungen duldet und einfordert? Misst Toleranz sich nicht an Konventionen, welche Wahlfreiheit Menschen überhaupt anstreben? Soll heissen: was keiner will, fordert auch keine Toleranz ein. Kann eine Gesellschaft stets mehr Wahlfreiheit zulassen und doch immer auf gleichem Niveau der Intoleranz bleiben, da sich stets verlagernde Wünsche von Minderheiten an immer neue Grenzen stossen? Die Uni Koblenz-Landau hätte hier noch viel zu tun, viele, viele Fragen zu beantworten.

  • Diese studie - oder zumindest deren darstellung im handelsblatt - soll interkulturelles verständnis fördern??? Die ist doch so verworren und in sich widersprüchlich, dass es, wenn überhaupt etwas, so das gegenteil bewirkt!

  • Was für eine Studie, von was für einer Hochschule, von was für einem "Blinden" Team.
    Unfaßbar.. wie kann das Handelsblatt...so ein Unsinn veröffentlichen? Nach einem ersten Überblick gehört dieser Artikel in den Mülleimer.
    Ukraine als Leader, Israel auf einer vordersten Postion der Liberalität und dann kommt gleich Venezuela.. einfach lachhaft. Wo bleibt da kritische Korrekturlesen..bevor so etwas veröffentlicht wird.
    reissgroup Dr. Reiss

  • @ HaraldFichtner

    Sehr Bedenklich?
    Herr Fichtner Sie sind ein freundlicher Mensch.

    Betrachtet man den Rückschluss (dichte Besiedlung + Bedrohung durch Naturgewalten = weniger Toleranz), dann steht zu befürchten, das die ganze "Studie" völlig wertlos ist.
    Honkong (Besidlungsdichte + Taifune) ist demnach erheblich tolerenter als Norwegen, von den toleranten Niederländern (dicht besiedelt und von Sturmfluten heimgesucht) im vergleich zu den Spaniern, Deutschen, Österreichern oder gar Portugiesen mal ganz abgesehen.
    Man gut das die "Studie" jetzt erst rauskam, sonst wäre das nie etwas geworden mit einem Exportland D.
    Schade ums Geld und um die Zeit.

  • Ich komme nur auf 33 Länder, wenn ich West- und Ostdeutschland getrennt zähle. Es sind nur 32 Länder, da mir scheint, daß es seit über 20 Jahren nur noch ein Deutschland gibt. Aber als westdeutscher Professor, der Steuergelder ausgibt, kann man das schon mal ignorieren. Sehr bedenklich!

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