Gestik, Sprache und Mimik sollen die Bedienung von Rechnern erleichtern
Computer reagieren künftig auch auf Fingerzeig

Die Geschichte von Mensch und Maschine ist eine voller Missverständnisse. Seit Jahren arbeiten Wissenschaftler daran, die Steuerung von Computern und Unterhaltungselektronik zu vereinfachen, so dass sie über Sprache, Gestik und Mimik funktioniert. Diesem Ziel sind Forscher des Fraunhofer Instituts für Medienkommunikation (IMK) nun ein Stück näher gekommen.

BERLIN. Sie haben eine „Info-Jukebox“ entwickelt, ein digitales Kiosk, dessen Multimedia-Inhalte durch Draufzeigen mit der Hand ausgewählt werden können.

Die gesamte Steuerung der Multimediamaschine erfolgt berührungslos. Möglich macht das ein neues zum Patent angemeldetes sensorisches Verfahren, das sich „Electric- Field-Sensing“ nennt. Der Co-Leiter der IMK Medienlabors, Wolfgang Strauss, erklärt das System so: „Der Effekt, den wir uns zunutze machen, ist jedem bekannt. Bei einem Radio, das sein Programm über Antenne empfängt, kann es sein, dass der Empfang besser oder schlechter wird, wenn man in seine Nähe kommt. Es reagiert auf das natürliche elektrische Spannungsfeld des Menschen.“

Um diesen Effekt zu nutzen, bauen die Forscher vor der Jukebox ein schwaches elektromagnetisches Feld auf, in das der Mensch gewissermaßen als Störer eintritt. Der Bildschirm in der Info-Jukebox, verfügt über Sensoren, die die elektrische Körperenergie des Nutzers registrieren. Zeigt dieser nun auf eine Tafel, auf der ein Video hinterlegt ist, wird die durch Bewegung veränderte Feldstärke gemessen. Das Signal wird an die grafische Oberfläche weitergeleitet, so dass der Computer nun ohne Berührung weiß, dass nun der Film abgespielt werden soll. Touchscreen, Maus oder Tastatur werden überflüssig.

„Uns geht es nicht darum, die Maus zu ersetzen, sondern um die Entwicklung eines berührungslosen Verfahrens, das vielfältig eingesetzt werden kann“, sagt Strauss. Die Palette der möglichen Anwendungen ist breit: von interaktiven Schaufenstern, durch die Flaneure auch nach Geschäftsschluss auf Fingerzeig sich über das Angebot informieren können, interaktive Wegeleitsysteme in Städten über Anwendungen in der chemischen Industrie, um gefährliche Stoffe berührungslos zusammen zu bringen, bis hin zu neuen Computerspielen.

„Viele weitere Beispiele für eine körperliche Navigation sind denkbar“, merkt Strauss an. Auch wenn die Demoversion schon gut funktioniert, sei die Technik jedoch noch mindestens ein Jahr von der Marktreife entfernt. Verbessert werden müssten noch die Mess-Ungenauigkeit sowie die Sensibilität der Sensoren, da der Körper kaum elektrische Energie aussendet.

So einfach bedienbar wie das Autp

Auch bei der intuitiven Bedienung sei die Forschung auf gutem Weg, sagt Reinhard Karger, Sprecher des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI) und Fachmann für Spracherkennung. In dem vom DFKI geleiteten Forschungs-Konsortium „SmartKom“ geht es darum, mit der produktspezifischen Bedienung Schluss zu machen.

„Ziel ist, Maschinen so einfach bedienbar zu machen wie das Auto. Dort ist der Fahrer, unabhängig davon in welchem Modell er sitzt, immer in der Lage, es ohne Anleitung zu fahren“, sagt Karger. Egal, ob Computer, MP3-Player oder Handys: „Je mehr Funktionen die Geräte haben, um so leichter bedienbar müssen sie werden, sonst wird daraus ein Flop“, sagt der DFKI- Sprecher.

Ein Beispiel für eine solche Entwicklung ist die von SmartKom entwickelte Technologie „Smartakus“. Der Nutzer kann über das System per Sprache, Gestik und Gesichtsausdruck mit einem Präsentationsagenten kommunizieren. Das System fragt, welchen Film der Nutzer sehen möchte, sucht Kinos aus, checkt freie Sitze und stellt diese zur Wahl, um dann per Kreditkarte zu zahlen und Tickets auszudrucken. Die Technik ist aufwendig: Eine Infrarotkamera nimmt die Gesten auf, eine Kamera in Kopfhöhe erfasst den Gesichtsausdruck und über ein Mikrofon wird die Sprache aufgezeichnet – alle Daten werden digitalisiert und mit ihnen das System gesteuert.

In einem weiteren Projekt werden Maschinen sogar für Stimmungen sensibilisiert. Ist der Anrufer in einem Call-Center verärgert, leitet die Sprachsteuerung das Gespräch an einen auf solche Fälle spezialisierten Mitarbeiter weiter. Oder schimpft ein PC-Benutzer, weil er mit dem Programm nicht zurecht kommt, dann wählt die sprachgesteuerte Mikroelektronik einen beschwichtigenden Tonfall.

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