Gesünderes Gemüse
Vitaminspritze für Tomaten

Wenn Nahrungsmittel in ihren Eigenschaften verändert werden, muss nicht immer die gescholtene Gentechnik im Spiel sein. Das sogenannte „Smart Breeding“ schaut sich das Erbgut zwar gut an, mischt sich aber nur durch gesteuerte Kreuzung ein und geht somit quasi zurück zu den Wurzeln der Genetik.

BERLIN. Zusätzliche Vitamine und Ballaststoffe sollen mehr Appetit auf Tomaten machen. Im Rahmen einer jüngst vereinbarten Kooperation wollen Saatgut-Spezialisten der niederländischen Bayer-Tochter Nunhems und des britischen Nahrungsmittelkonzerns Unilever den Geschmack und den Nährwert des nach der Kartoffel weltweit zweitbeliebtesten Gemüses verbessern. Sie nutzen dazu die Präzisionszucht, auf Englisch „Smart Breeding“, die auf der Methode der klassischen Kreuzung aufbaut – allerdings verbunden mit einer genauen Analyse des Erbguts.

Mit der Zusammenarbeit leiten Nunhems und Unilever einen Paradigmenwechsel ein: Nicht insekten- oder pilzresistente Sorten stehen auf der Agenda, sondern Tomaten, die vor Vitaminen strotzen. „Bisher hat sich die Saatgutentwicklung an den Bedürfnissen der Landwirte orientiert“, sagt Nunhems-Marketingleiter Vicente Navarro. „Nun rücken Wünsche der Verbraucher und der Verarbeiter in den Vordergrund.“

Das Marktpotenzial für die gesündere und schmackhaftere Tomate ist enorm: Weltweit legte der Absatz 2006 um zwei Prozent zu, in der Europäischen Union waren es gar 3,5 Prozent. 30 Mill. Tonnen Tomaten werden pro Jahr allein von der Nahrungsmittelindustrie verarbeitet.

Im Vordergrund steht bei Nunhems zwar, vitaminreichere Tomaten zu erzeugen. „Wir sehen uns auch nach Sorten mit mehr Ballaststoffen um“, so Navarro. Zudem werden Varianten mit einem hohen Gehalt an Lycopin untersucht, das die Anfälligkeit gegenüber Krebs und Sonnenbrand verringert. Interessant für die Lebensmittelindustrie: Lycopin wird aus Ketchup und Saucen besser vom Körper aufgenommen als aus rohen Tomaten.

„Der große Trend geht zu Produkten, die nicht nur bequem zuzubereiten, sondern auch gesund sind“, sagt Günther Rodemeyer, F&E-Vizepräsident für Nord- und Lateinamerika bei Unilever. Er ist überzeugt, dass Tomaten mit einem Extra an Vitaminen oder anderen gesundheitsfördernden Stoffen auch in Fertiggerichten gut ankommen. Das Unilever-Gemüsegetränk „Knorr Vie“ etwa spreche gesundheitsbewusste Verbraucher an und wäre ein „mögliches Vehikel“ für die neuen Tomaten.

Seite 1:

Vitaminspritze für Tomaten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%