Gesundheit: Ärzte implantieren komplettes Gebiss

Gesundheit
Ärzte implantieren komplettes Gebiss

In einer spektakulären Operation haben Düsseldorfer Ärzte einer völlig zahnlosen Frau in einem Schritt ein neues Gebiss in den Ober- und Unterkiefer implantiert. Zugleich hat die angebliche Premiere des Verfahrens eine Diskussion in der Fachwelt ausgelöst.

dpa DüSSELDORF. In einer spektakulären Operation haben Düsseldorfer Ärzte einer völlig zahnlosen Frau in einem Schritt ein neues Gebiss in den Ober- und Unterkiefer implantiert. Zugleich hat die angebliche Premiere des Verfahrens eine Diskussion in der Fachwelt ausgelöst.

Der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI), Manfred Wichmann, warf der Uniklinik Düsseldorf „aggressive Werbung“ vor. Es seien bereits zuvor in Deutschland Menschen in beide Kiefer komplette, festsitzende Gebisse implantiert worden. Neu könnten allenfalls medizinische Details sein. Der Direktor der Düsseldorfer Kieferklinik, Norbert Kübler, hatte den Eingriff als „Premiere“ bezeichnet.

Das angewandte Verfahren sei zwar seit einem Jahr kommerziell erhältlich, sagte Kübler. Jedoch habe es einen derart großen Eingriff damit noch nicht gegeben. Vor einer Woche hatte der Arzt in einer dreistündigen Operation einer 55 Jahre alten Frau ein auf Implantaten sitzendes Kunststoffgebiss in den Ober- und Unterkiefer eingesetzt. Die Frau trug die Kosten in Höhe von 25 000 Euro selbst.

Bereits vor vier Monaten hatten die Mediziner der Patientin alle Zähne gezogen. Danach wurde bei einer Computertomographie der ideale Sitz für 14 Verschraubungen in den zahnlosen Kiefern errechnet, für die Bohrungen wurden entsprechende Schablonen gefertigt. Mit deren Hilfe setzten die Chirurgen in einem dreistündigen Eingriff die Implantate ein und schraubten die Gebisse im selben Schritt darauf.

Das Verfahren berge Risiken, betonte Kübler. So müssten die Gebisse perfekt passen und würden sofort belastet. Zudem wachse das Zahnfleisch nicht so schnell in die Zahnzwischenräume ein - und werde mithin wie bei üblichen Gebissen mit Kunststoff nachgebildet. „Das ist sicher nicht die beste Methode für alle Patienten“, sagte er. Zudem trage die gesetzliche Krankenkasse keinerlei Kosten für den Eingriff.

DGI-Sprecher Wichmann betonte, über den Erfolg des Eingriffs lasse sich erst in drei bis sechs Monaten etwas sagen. „Normalerweise stellt man neue Verfahren bei Kongressen oder in der Fachpresse vor und diskutiert unter Fachleuten den Nutzen für den Patienten.“ Erst wenn dieser unstrittig sei, sollten Ärzte an die Öffentlichkeit gehen.

Die DGI ist eine deutsche Fachgesellschaft der Implantologen und hat sich der Erforschung der wissenschaftlichen Standards auf dem Gebiet verschrieben. In ihr sind deutschlandweit eigenen Angaben zufolge mehr als 3 500 Ärzte organisiert.

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