Gesundheit
Ärzte uneins über Organspende-Modell des Ethikrats

Die vom Nationalen Ethikrat vorgeschlagene Neuregelung der Organspende ist auch in der Ärzteschaft umstritten.

dpa BERLIN. Die vom Nationalen Ethikrat vorgeschlagene Neuregelung der Organspende ist auch in der Ärzteschaft umstritten. Das Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer, Theodor Windhorst, schloss sich am Donnerstag den Forderungen weitgehend an und will einen entsprechenden Antrag beim Deutschen Ärztetag in Münster einbringen.

Danach soll all denjenigen, die eine Organspende nicht ausdrücklich ausgeschlossen haben, nach dem Hirntod Organe entnommen werden können, sofern die Angehörigen nicht widersprechen.

Der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer, Hans Lilie, hatte dagegen der „Passauer Neuen Presse“ gesagt, er sehe keinen Handlungsbedarf für eine gesetzliche Neuregelung. Stattdessen müssten Aufklärung und Information über die Möglichkeit einer Organspende dringend verbessert und ausgeweitet werden. „Schweigen bedeutet an keinem Punkt unserer Rechtsordnung Zustimmung“, betonte Lilie. Der Ärztetag wird sich Mitte Mai ausführlich mit den ethischen Aspekten der Organtransplantation befassen.

Der Nationale Ethikrat wies Kritik an seinen Vorschlägen zurück. Das Beratergremium der Bundesregierung plane keine reine Widerspruchslösung, betonte die Vorsitzende Kristiane Weber-Hassemer. Stattdessen solle der Staat die Menschen dazu bewegen, sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden. „Es soll erreicht werden, dass in möglichst wenigen Fällen Unklarheit darüber besteht, was der Betroffene für sich selbst will“, sagte Weber-Hassemer. Nur bei denjenigen, die sich nicht erklären, soll eine Organentnahme grundsätzlich möglich sein. Auch in diesen Fällen könnten aber die Angehörigen die Spende verbieten. „Niemand muss also befürchten, dass er einfach zur Organspende herangezogen wird.“

Politiker aller Parteien hatten das am Dienstag vorgestellte Stufenmodell des Ethikrats unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht des Menschen kritisiert. Sie plädierten für die Beibehaltung des bislang geltenden erweiterten Zustimmungsrechts. Dies sieht vor, dass der Verstorbene zu Lebzeiten oder seine Angehörigen nach dessen Tod ausdrücklich einer Organspende zustimmen müssen. Patientenvertreter hatten den Vorschlag dagegen begrüßt.

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