Gesundheit
Aids-Experten skeptisch gegenüber „chemischem Kondom“

Aidsforscher haben sich auf einer Konferenz zur Entwicklung von Mikrobiziden skeptisch über schnelle Erfolge bei diesen „chemischen Kondomen“ für Frauen geäußert.

dpa JOHANNESBURG. Aidsforscher haben sich auf einer Konferenz zur Entwicklung von Mikrobiziden skeptisch über schnelle Erfolge bei diesen „chemischen Kondomen“ für Frauen geäußert.

Obwohl derzeit mehrere der chemischen Virenkiller in klinischen Studien untersucht würden, erwarte keiner der beteiligten Forscher einen Durchbruch. Darauf verwies Elof Johannsson, der für einen Test mit fast 9 000 Frauen in Südafrika verantwortlich ist, am Dienstag auf der Internationalen Mikrobizid-Konferenz in Kapstadt (Südafrika).

Auch die Präsidentin der Internationalen Gemeinschaft für Mikrobizide (IPM), Zeda Rosenberg, warnte vor vorschnellen Hoffnungen. Obwohl die Forschung kontinuierlich Fortschritte mache, sei ein konkretes Medikament vorerst kaum in Sicht. „Wenn die Wirksamkeit von einem der fünf Präparate nachgewiesen wird, die derzeit weltweit getestet werden, kann es fünf Jahre später auf dem Markt sein“, sagte die Mit-Organisatorin der Konferenz in einem dpa- Gespräch. Inzwischen nähmen weltweit 25 000 Frauen an groß angelegten Wirksamkeitsstudien teil. Zudem interessiere sich erstmals die Pharmaindustrie dafür, und große Firmen unterstützten die Forschung zumindest indirekt.

Die Anhänger sehen Mikrobizide, die vor dem Sex etwa als Gel in die Scheide gebracht werden, als derzeit größte Hoffnung zur Senkung der HIV-Infektionsrate. Frauen könnten mit ihnen ohne Wissen oder Mitwirken ihrer Sexualpartner einer Ansteckung vorbeugen. Bisher konnte aber trotz erfolgreicher Tierversuche kein Mikrobizid gefunden werden, das eine HIV-Ansteckung beim Menschen zuverlässig verhindert. Johannsson betonte: „Es gibt bereits etwas, das wirksam gegen Aids schützt: Kondome. Aber die Männer benutzen sie nicht.“ Wenn Männer ihr Verhalten ändern würden, bräuchte man keine Mikrobizide.

An der bis Mittwoch dauernden Konferenz - der ersten ihrer Art in Afrika - nehmen insgesamt mehr als 1 200 Delegierte aus aller Welt teil. Zum Auftakt hatte die Ehefrau von Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela, Graca Machel, eine Verdopplung der Forschungsgelder für Mikrobizide gefordert.

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