Gesundheit Bericht über dramatische Folgen bei Arzneitests

Ein halbes Jahr nach den verheerenden Medikamententests in Großbritannien, bei denen sechs Männer tagelang mit dem Tod rangen, haben ihre Ärzte Details des Geschehens veröffentlicht.

dpa LONDON/BOSTON. Ein halbes Jahr nach den verheerenden Medikamententests in Großbritannien, bei denen sechs Männer tagelang mit dem Tod rangen, haben ihre Ärzte Details des Geschehens veröffentlicht.

Die Ursachen für das rapide Organversagen der Patienten sei noch immer nicht geklärt, schreiben die Mediziner im „New England Journal of Medicine“ (Bd. 355, S. 1 018) vom Donnerstag. Im März hatten die Männer in einer britischen Klinik testweise den neuen Wirkstoff der Würzburger Pharmafirma Tegenero erhalten. Das Mittel mit dem Namen TGN 1 412 war für die Bekämpfung von Multipler Sklerose, Blutkrebs und Rheuma gedacht. Der Test wurde nach den katastrophalen Komplikationen eingestellt.

Die sechs Männer erhielten das Mittel aus Antikörpern zur Stimulierung des Immunsystems. Bereits innerhalb der ersten Stunde nach der Infusion zeigten sich massive Unverträglichkeiten bei den Männern, die sich bis zum Versagen mehrerer Organe ausweitete. „Am überraschendsten war die absolut stereotype Reaktion aller sechs Patienten auf das Mittel“, schreibt das Team um Ganesh Suntharalingam, das die Männer auf der Intensivstation betreute. Der Krankheitsverlauf lasse sich in Phasen einteilen.

Phase eins begann mit starken Kopf- und Muskelschmerzen, Unruhe und Übelkeit. Es folgten Blutdruckschwankungen, Herzrasen und hohes Fieber. Schrittweise entzündete sich der ganze Körper. Mögliche Ursache: Zahlreiche Zellen im Körper schütteten Botenstoffe (Zytokine) aus, mit denen sie untereinander kommunizieren. Es fegte ein so genannter Zytokin-Sturm durch die Körper der Patienten.

In Phase zwei - von Tag eins bis drei, bei den zwei besonders schwer Erkrankten sogar bis Tag acht - versagten einige Organe. Die Nieren arbeiteten nicht mehr richtig, die Atmung war gestört und es bildeten sich Blutgerinnsel im ganzen Körper. Alle Männer wurden an die Blutwäsche angeschlossen und erhielten Transfusionen. Zwei wurden über viele Tage künstlich beatmet. Bei einem schwoll das Gewebe am ganzen Körper derart an, dass ihn die Medien als „Elefanten-Mann“ bezeichneten.

Zwischen Tag drei und 20 erholten sich die Patienten schrittweise. Ihr Immunsystem bildete neue Abwehrzellen. Alle sechs überlebten den Zwischenfall. Die genauen Ursachen soll eine Expertengruppe erforschen. Die staatliche britische Agentur für Medikamentenprüfung attestierte den beteiligten Firmen fehlerfreie Arbeit. Tegenero meldete inzwischen Insolvenz an.

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