Gesundheit
Experte: Malaria könnte nach Deutschland zurückkehren

Die naturnahe Gestaltung von Gewässern, der Klimawandel und die Globalisierung könnten nach Einschätzung von Experten dazu führen, dass die Malaria in den kommenden Jahrzehnten nach Deutschland zurückkehrt.

dpa KOBLENZ. Die naturnahe Gestaltung von Gewässern, der Klimawandel und die Globalisierung könnten nach Einschätzung von Experten dazu führen, dass die Malaria in den kommenden Jahrzehnten nach Deutschland zurückkehrt.

Die Anopheles-Mücke, die die Krankheit übertragen kann, solle in Deutschland daher genauer beobachtet werden, sagte der Referatsleiter Tierökologie bei der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz, Jochen Koop, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Allerdings sei in diesem Bereich noch vieles unklar.

„Wir müssen wissen, ob sich die Anopheles-Bestände in Deutschland tatsächlich vermehren und ob in diesen Beständen der Malaria-Erreger wieder auftritt“, sagte Koop. „Wir müssen jetzt eine Bestandsaufnahme machen und diese alle fünf Jahre wiederholen. Nur so können wir rechtzeitig erkennen, ob diese schlechte Prognose tatsächlich eintritt oder nicht.“ Wenn die Malaria-Entwicklung erst eine bestimmte Dynamik bekommen hätte, wäre sie schwer zu stoppen.

Malaria habe es bereits früher in Deutschland gegeben, erinnerte Koop. Die letzte große Welle gab es nach seinen Worten nach dem Zweiten Weltkrieg, als Kriegsgefangene nach Deutschland zurückkehrten, die den Erreger in sich trugen. Die Bekämpfung der Krankheit sei damals erfolgreich gewesen. „Wir gehen davon aus, dass die Malariaerreger heute nicht in den Mücken vorhanden sind.“ Deshalb bestehe derzeit keine Gefahr, dass sich Malaria in Deutschland ausbreite. In einigen Jahrzehnten könne sich dies aber ändern.

Jährlich kommen laut Robert Koch-Institut 500 bis 1 000 Menschen mit dem Malaria-Erreger aus dem Ausland nach Deutschland zurück. „Zudem muss angenommen werden, dass die Mückenbestände mit steigenden Temperaturen in Deutschland zunehmen werden“, sagte Koop. Mit der Renaturierung der Fließgewässer bekämen die Insekten oft Still- und Flachwasser-Lebensräume zurück, in denen sie sich „wunderbar ausbreiten“ könnten.

Die höhere Zahl von Mücken bedeute, dass mehr Menschen von den Insekten gestochen werden - auch Menschen, die an Malaria erkrankt sind: So könne der Malariaerreger wieder einen Weg in die Mückenbestände finden. Die infizierten Insekten könnten ihrerseits wieder mehr Menschen mit der Krankheit anstecken. Ob dieses Szenario so eintreten wird, wissen die Wissenschaftler laut Koop nicht genau. „Wir wissen nicht, wo diese Mückenarten genau sitzen, ob diese sich zum Beispiel durch die Klimaerwärmung vermehren und ob sich in diesen Mücken irgendwann die Erreger aufbauen.“

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