Gesundheit
Experten fordern Frühwarnsystem für Tierseuchen

Experten fordern ein weltweites Frühwarn- und Überwachungssystem für Tierseuchen. Tierseuchen verursachten nicht nur enorme volkswirtschaftliche Kosten, sondern stellten eine große Bedrohung für die menschliche Ernährung dar

dpa GREIFSWALD. Experten fordern ein weltweites Frühwarn- und Überwachungssystem für Tierseuchen. Tierseuchen verursachten nicht nur enorme volkswirtschaftliche Kosten, sondern stellten eine große Bedrohung für die menschliche Ernährung dar

Bis zum Jahr 2050 werde die Weltbevölkerung von sechs auf neun Milliarden Menschen anwachsen, sagte Alexander Müller von der Welternährungsorganisation FAO am Dienstag bei einer internationalen Fachtagung zur Bekämpfung von Tierseuchen in Greifswald. Bereits jetzt litten 850 Millionen Menschen auf der Erde Hunger. „Wenn wir in Asien und Afrika alle Menschen ernähren wollen, dann müssen Verluste bei der Produktion vermieden werden, unabhängig davon, ob die Seuchen den Menschen direkt gefährden“, sagte der stellvertretende Generaldirektor der FAO.

Zudem seien die volkswirtschaftlichen Schäden durch Seuchen enorm. So habe Sars einen weltweiten Schaden von 50 Mrd. Dollar (37 Mrd. Euro) verursacht. Die Rinderseuche BSE verursachte laut Müller allein in Großbritannien einen Schaden von zehn bis zwölf Mrd. Dollar.

Nach FAO-Prognosen wird der internationale Agrarhandel in den nächsten Jahrzehnten deutlich zunehmen. „Wir werden verstärkt mit Lebensmitteln aus Ländern konfrontiert werden, in denen es nicht nur andere und mehr Tierseuchen gibt, sondern auch die Einhaltung von Standards sehr kritisch ist“, sagte Müller. Deshalb sei ein System erforderlich, dass vorausschauend Tierseuchen und kritische Lebensmittelproduktionen analysiert, um rechtzeitig die erforderlichen Maßnahmen einleiten zu können. Die FAO fordert deshalb ein mehrjähriges Programm, um ein Frühwarnsystem aufzubauen, wie Müller betonte. „Ohne Geld und ohne Hilfe für die Entwicklungsländer wird es nicht gehen.“

Neben der Bekämpfung von Tierseuchen wird nach Einschätzung des früheren WHO-Leiters des Global-Influenza-Programms, Klaus Stöhr, vor allem der Kampf gegen die Fehlernährung im Mittelpunkt der Bemühungen stehen. In den Entwicklungsländern sei zu beobachten, dass Menschen, sobald sie der Armutsfalle entkommen seien, sich häufig falsch und zu fett ernährten. Es gebe Schätzungen, dass inzwischen in Afrika genauso viele Menschen an Diabetes Typ II litten wie an HIV, sagte Stöhr, der jetzt das Impfstoff-Programm beim Pharmakonzern Novartis leitet.

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