Gesundheit
Expertin: Tier als Infektionsquelle zu spät erkannt

Vom Tier auf den Menschen übertragbare Infektionskrankheiten werden von Humanmedizinern häufig zu spät erkannt.

dpa JENA. Vom Tier auf den Menschen übertragbare Infektionskrankheiten werden von Humanmedizinern häufig zu spät erkannt. „Wenn ein Patient mit unklaren Symptomen zum Arzt kommt, denkt dieser nicht zuerst daran, dass ein Tier die Infektionsquelle sein könnte“, sagte Petra Reinhold, Präsidentin der internationalen Veterinärmedizinischen Gesellschaft für Lungenerkrankungen (Vcrs), in einem dpa-Gespräch.

Viele Lungen- und Atemwegserkrankungen bei Tieren könnten aber auf den Menschen übergehen und teilweise einen schweren Verlauf nehmen. Dazu zählen das Query-Fieber (Q-Fieber) und die Papageienkrankheit. Damit Erreger beim Ausbreiten auf den Menschen schnell gestoppt werden, wollen Human- und Veterinärmediziner enger zusammenarbeiten.

Bei beiden Krankheiten ähneln die Symptome beim Patienten denen einer Grippe. Mehr als 200 Menschen in Jena litten im Sommer vergangenen Jahres an Query-Fieber, das von einer Schafherde übertragen worden war. Fast zeitgleich war in Sachsen-Anhalt unter den Tieren eines Geflügelhalters die Papageienkrankheit ausgebrochen. In Sachsen-Anhalt und Thüringen erkrankten daran sechs Menschen.

Infektionskrankheiten, die sich vom Tier auf den Menschen ausbreiten können, heißen Zoonosen. „Unter den Zoonosen gibt es auch Krankheiten, die in Deutschland getilgt wurden, aber durch Importe jederzeit wieder eingeschleppt werden können, wie zum Beispiel Rotz der Pferde oder Tuberkulose der Rinder“, sagte die Veterinärmedizinerin. „Die auf Menschen übertragbaren Atemwegserkrankungen bei Tieren, die in anderen Teilen der Welt noch vorkommen, sind eine latente Gefahr, auf die die Mediziner vorbereitet sein müssen.“

„Eine Frage auf der Tagung ist, wie man eine vom Tier ausgehende Infektionsgefahr schneller erkennen und mindern kann“, sagte die Präsidentin. Eine Bedingung dafür sei, dass der Humanmediziner eine Zoonose schnell als solche diagnostiziert. „Die Tierärzte müssen dann umgehend mit ins Boot geholt werden, denn sie untersuchen, welche Tierbestände betroffen sind“, sagte Reinhold. „Zoonosebekämpfung kann nur funktionieren, wenn Human- und Veterinärmediziner gemeinsam an einem Strang ziehen.“

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