Gesundheit
Forscher hält Heilung von Aids in zehn Jahren für möglich

Erstmals seit dem Auftreten der Immunschwäche Aids hoffen Mediziner auf eine Heilung. „Es gibt eine gute Chance, dass wir in den nächsten zehn Jahren zu einer Heilung kommen“, sagte der Präsident der 11. Münchner Aids-Tage, Hans Jäger, zum Auftakt des Kongresses am Freitag.

dpa MüNCHEN. Erstmals seit dem Auftreten der Immunschwäche Aids hoffen Mediziner auf eine Heilung. „Es gibt eine gute Chance, dass wir in den nächsten zehn Jahren zu einer Heilung kommen“, sagte der Präsident der 11. Münchner Aids-Tage, Hans Jäger, zum Auftakt des Kongresses am Freitag. „Wir sind allerdings in einem sehr frühen Stadium.“

Andere Mediziner äußerten sich skeptisch. Er glaube nicht an einer Durchbruch, sagte der Sprecher des Kompetenznetzes HIV/Aids, der Bochumer Mediziner Prof. Norbert Brockmeyer. „Ich denke, wir müssen weiterkämpfen.“

Die Hoffnung auf eine mögliche Heilung stützt Jäger unter anderem auf eine Kombination aus einem herkömmlichen Aids-Mittel und einem antiepileptischen Medikament in den USA. Damit sei es erstmals an drei von vier Patienten gelungen, den in Lymphozyten ruhenden Aidserreger HIV zu aktivieren, so dass er dann mit Medikamenten bekämpft werden könne. Diese eingeschlossenen Viren waren bisher das größte Probleme auf dem Weg zu einer Heilung, da sie für die gewöhnlich eingesetzten antiretroviralen Medikamente nicht erreichbar waren. Nunmehr seien weitere Studien notwendig.

An dem größten Aids-Kongress Deutschlands nehmen bis zum Sonntag 1 700 Experten teil. Ärztevertreter erneuerten ihre Warnung vor Nachlässigkeit beim Schutz vor Aids. Die Zahl der Neuinfektionen sei in Deutschland 2005 um 20 Prozent auf 2 600 gestiegen. Betroffen seien in erster Linie homosexuelle Männer. Die HIV-Infektion habe offensichtlich durch bessere Behandlungsmöglichkeiten ungerechtfertigt an Schrecken verloren. Nach wie vor ist die Immunschwäche jedoch unheilbar.

Zugleich geht die Suche nach einem Impfstoff weiter. Ein neuer Impfstoffkandidat solle in diesem Frühjahr weltweit in zwölf Studienzentren an insgesamt 1 000 Probanden in Afrika, Nord- und Südamerika sowie in der Karibik getestet werden. Es handele sich um eine Kombination aus zwei Impfstoffen der neuesten Generation.

In ersten Tests hätten die Patienten Antikörper entwickelt und eine gute zelluläre Immunreaktion gezeigt, die für eine Abtötung der HIV-befallenen Zellen sorgt, berichtete Michael Hölscher von der Abteilung Infektions- und Tropenmedizin der Ludwig- Maximilians- Universität München. Jedoch werde nicht mehr erwartet, dass ein Impfstoff eine Infektion blockieren könne. „Durch die Impfung könnte der Krankheitsverlauf einer Neuinfektion abgeschwächt werden. Die Infektion selbst wird aber aller Wahrscheinlichkeit nicht verhindert.“

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