Gesundheit
Inkontinenz ein Tabuthema

Inkontinenz ist nach Angaben einer Expertin ein solches Tabuthema, dass die meisten Betroffenen darüber auch nicht mit einem Mediziner sprechen wollen.

dpa AACHEN. Inkontinenz ist nach Angaben einer Expertin ein solches Tabuthema, dass die meisten Betroffenen darüber auch nicht mit einem Mediziner sprechen wollen.

„Interviews haben ergeben, dass nur etwa ein Drittel der Betroffenen über ihre Blasen- oder Darmprobleme mit ihrem Arzt sprechen“, sagte die Leiterin der Kontinenz-Beratungsstelle am Aachener Universitätsklinikum, Ruth Kirschner-Hermanns, am Samstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Viele wissen nicht, dass Inkontinenz oft heilbar und fast immer verbesserbar ist.“

Schätzungsweise mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden unter der Unfähigkeit, Harn oder Stuhl zurückzuhalten, sagte die Urologin am 1. Deutschen Kontinenz-Tag. Die Erkrankung trete zunehmend in der zweiten Lebenshälfte auf. Übergewicht, Diabetes, Bewegungsarmut oder psychische Leiden verstärkten die Anfälligkeit. Es gebe viele mögliche Ursachen: Fehlfunktion des Blasen- oder Schließmuskels, neurologische Erkrankungen, Tumore, Blasensteine oder auch Schlaganfall, multiple Sklerose oder Bandscheibenvorfall.

Weit verbreitet sei die Belastungsinkontinenz, bei der die Betroffenen bei Husten, Niesen oder Lachen unkontrolliert Urin verlieren würden - ein Leiden, das häufig schon sehr junge Frauen hätten. „Männer und Frauen gleichermaßen leiden auch häufig unter einer überaktiven Blase, verspüren oft einen überfallartigen Harndrang und können den Urin nicht mehr halten“, sagte Kirschner- Hermanns. Dieses Symptom könne auch durch die Einnahme vieler Medikamente, bestimmter Nahrungsmittel - vor allem Kaffee - und durch Stress oder psychische Belastung stark beeinflusst werden.

Die Palette der Behandlungsmethoden reiche von Krankengymnastik über Muskel-Stimulationsbehandlungen und medikamentöse Therapien bis zum Blasentraining. „Bei knapp der Hälfte der Betroffenen schafft ein operativer Eingriff die notwendige Hilfe.“

Anlässlich des ersten Deutschen Kontinenz-Tages wirbt die Deutsche Kontinenz-Gesellschaft bundesweit für eine Enttabuisierung der Inkontinenz und informiert über Möglichkeiten der Vorbeugung und Behandlung. „Die Menschen sollen wissen, dass Inkontinenz in keinem Alter normal und immer zu behandeln ist„, sagte die Aachener Medizinerin.

Gespräch: Felicitas Gessner, dpa

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%