Gesundheit
Kritik an Krebsimpfung nach Todesfällen

Nach dem ungeklärten Tod zweier junger Frauen gibt es nach Behördenangaben keine Belege für einen Zusammenhang mit der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs.

dpa BERLIN/LONDON/LANGEN. Nach dem ungeklärten Tod zweier junger Frauen gibt es nach Behördenangaben keine Belege für einen Zusammenhang mit der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs.

Weder das deutsche Bundesamt für Sera und Impfstoffe noch die Europäische Arzneimittelagentur Emea sehen Anlass, die Sicherheit des Impfstoffs Gardasil neu zu bewerten. Der Nutzen überwiege weiterhin etwaige Risiken, betonte die Emea in London. Eine 17-Jährige aus Deutschland und eine 19-Jährige Österreicherin waren im vergangenen Jahr aus ungeklärter Ursache gestorben, kurz nachdem sie den Impfstoff bekommen hatten. In Europa sind insgesamt zwei solche Impfstoffe zugelassen.

Der Bremer Professor für Arzneimittelforschung Gerd Glaeske hatte die Zulassung der Impfung in der „Frankfurter Rundschau“ vom Freitag als möglicherweise zu schnell bezeichnet. Es habe stets Zweifel gegeben, „ob die vorhandenen Daten so belastbar waren, dass sie eine beschleunigte Zulassung rechtfertigen konnten“, sagte er. Die begleitende Forschung nach der Zulassung hätte seiner Meinung nach intensiviert werden müssen. Die Sprecherin des Bundesamts für Impfstoffe, Susanne Stöcker, sagte dagegen: „Der Impfstoff ist an insgesamt 20 000 Frauen in verschiedenen Studien weltweit getestet worden.“ Berichte über mögliche Nebenwirkungen würden kontinuierlich gesammelt und geprüft. Derzeit liegen dem Amt 189 Verdachtsfälle von Nebenwirkungen vor.

Plötzliche ungeklärte Todesfälle kämen in jeder Altersgruppe vor, erläuterte das Bundesamt, das Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt am Main. So seien etwa 2006 nach der amtlichen Statistik von 2,3 Mill. jungen Frauen im Alter zwischen 15 und 20 Jahren 22 gestorben, ohne dass sich eine Ursache ermitteln ließ. Bei der Impfung eines großen Teils dieser Bevölkerung sei daher schon rein zufällig mit derartigen Todesfällen zu rechnen, die sich kurz nach einer Impfung ereignen. Allein in Deutschland und Österreich hätten schätzungsweise 700 000 Frauen diesen Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs bekommen. In ganz Europa sind nach Emea-Angaben geschätzte 1,5 Millionen Frauen damit geimpft worden.

Seit vergangenem Sommer müssen die deutschen Krankenkassen die Schutzimpfung gegen Gebärmutterhalskrebs für Mädchen im Alter von zwölf bis 17 Jahren bezahlen. Die nötigen drei Impfdosen kosten in Deutschland insgesamt knapp 500 Euro. Die Ausgaben betrugen bisher rund 80 Mill. Euro. Rolf Rosenbrock, Leiter der Forschungsgruppe Public Health am Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung, hatte darauf hingewiesen, dass Gebärmutterhalstumore dank wesentlich günstigerer Früherkennung bereits sehr selten geworden seien. Jährlich erkranken in Deutschland nach Angaben der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister und des Robert Koch-Instituts schätzungsweise 6 500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Ärzte und Ämter haben wiederholt darauf hingewiesen, dass die Impfung die Vorsorgeuntersuchung nicht ersetze.

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