Gesundheit
Mediziner: Jährlich tausende Schilddrüsen-Operationen unnötig

In Deutschland werden nach Ansicht des Mediziners Ralf Paschke jährlich viele tausend Menschen unnötig an der Schilddrüse operiert. „Nur ein Fünftel der entdeckten Schilddrüsenknoten muss überhaupt operiert werden“, sagte der Professor der Universitätsklinik Leipzig in einem Gespräch mit der dpa.

dpa LEIPZIG. In Deutschland werden nach Ansicht des Mediziners Ralf Paschke jährlich viele tausend Menschen unnötig an der Schilddrüse operiert. „Nur ein Fünftel der entdeckten Schilddrüsenknoten muss überhaupt operiert werden“, sagte der Professor der Universitätsklinik Leipzig in einem Gespräch mit der dpa.

Jedes Jahr müssten sich rund 100 000 Menschen einem chirurgischen Eingriff an der Schilddrüse unterziehen, der Großteil wegen eines Knotens. „Das Ziel muss es sein, unnötige Operationen, die Belastung der Patienten und damit Mill. Euro an Folgekosten einzusparen.“

Um diesem Ziel näher zu kommen, treffen sich noch bis zum Mittwoch in Leipzig mehr als 500 Experten aus 40 Ländern zur 32. Jahresversammlung der Europäischen Schilddrüsengesellschaft. Themen sind die Prävention des Jodmangels und eine verbesserte Diagnostik. Jodmangel gilt als die wichtigste Ursache für den sogenannten Kropf, die Vergrößerung der Schilddrüse, sowie die Entstehung von Knoten.

Ein Großteil der Erkrankungen werde bislang vor allem per Ultraschall und Hormonuntersuchung diagnostiziert. „Dabei gibt es mit der Feinnadelpunktion eine zuverlässigere Methode zur Unterscheidung von gut- und bösartigen Knoten“, erläutert Paschke. Das Organ vergrößere sich sehr langsam. „Oft klagen die Betroffenen erst nach 30 oder 40 Jahren über Beschwerden“, sagte der Mediziner. In dieser Zeit bilden sich bei den meisten Betroffenen auch Knoten.

Bei der Feinnadelpunktion werden mit einer Nadel aus dem Knoten einzelne Zellen entnommen. „So können wir bei drei Viertel der Fälle bereits vor einer Operation bestimmen, ob ein Knoten gut- oder bösartig ist. Leider wird diese Methode noch immer viel zu selten angewandt.“ Das Ergebnis: viele unnötige Operationen. In Leipzig wollen die Experten daher über Leitlinien diskutieren und nach Möglichkeiten suchen, diese Methode bekannter zu machen.

Paschke zufolge hat ein Drittel der Deutschen eine vergrößerte Schilddrüse. Bei älteren Menschen sei es sogar jeder Zweite. „Obwohl diese Krankheiten so einfach verhindert werden können, nehmen wir in Deutschland nach wie vor zu wenig Jod zu uns“, sagte Paschke. „Die Jodversorgung ist trotz jodiertem Speisesalz und Jodsiegel nicht ausreichend, daran müssen wir weiter arbeiten.“

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