Gesundheit
Neuartige Pille gegen Übergewicht erstmals auf dem Markt

Ein neuartiges Medikament gegen Übergewicht ist in Großbritannien weltweit erstmals auf den Markt gekommen. Der rezeptpflichtige Wirkstoff Rimonabant zügelt auf neue Weise den Appetit.

dpa LONDON/FRANKFURT. Ein neuartiges Medikament gegen Übergewicht ist in Großbritannien weltweit erstmals auf den Markt gekommen. Der rezeptpflichtige Wirkstoff Rimonabant zügelt auf neue Weise den Appetit.

Das Mittel dämpft ein Rezeptorsystem, das bei Studien zur Suchtentstehung im Gehirn entdeckt worden war, wie der Hersteller Sanofi-Aventis am Donnerstag in Frankfurt am Main erläuterte. Der Wirkstoff hatte kürzlich die europäische Zulassung zur Behandlung von krankhaftem Übergewicht erhalten und soll nach Herstellerangaben von September an auch in Deutschland verkauft werden. Die US-Zulassung steht noch aus.

In klinischen Tests mit rund 6 000 Probanden in Europa und den USA nahmen laut „Times“ die Hälfte der Teilnehmer rund fünf Prozent ihres Körpergewichts ab und ein Viertel etwa zehn Prozent. Dabei schmolzen die überschüssigen Pfunde vor allem an der Taille, wo Fettpolster als besonders gefährlich gelten. Darüber hinaus besserten sich auch die Blutfettwerte sowie der Blutzuckerspiegel. Bei einer Behandlung muss Rimonabant täglich eingenommen werden. Die Therapie kostet in Großbritannien 55 Pfund im Monat (rund 80 Euro).

Rimonabant (Handelsname Acomplia) ist der erste Vertreter einer neuen Klasse von Medikamenten. Der CB1-Blocker dämpft das so genannte Endocannabinoid-System (EC-System), das - wie die Droge Cannabis - Hungergefühl und Nikotinabhängigkeit beeinflusst. Die winzigen Endocannabinoid-Rezeptoren CB1 finden sich nach Angaben des Deutschen Diabetes-Zentrums in hoher Dichte im Gehirn, aber auch im Fettgewebe, der Leber, im Magen-Darm-Trakt und in der Muskulatur. Das EC-System ist beteiligt an der Regulierung des Körpergewichts und dem Fettstoffwechsel.

Außer gegen Übergewicht hatte sich Rimonabant in Studien auch als hilfreich gegen Nikotinsucht erwiesen. Als Mittel zur Tabakentwöhnung ist das Präparat bislang nicht zugelassen.

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