Gesundheit
Phänomen schlafloser erster Urlaubsnächte wird erforscht

Die schlaflose erste Nacht im Ferienhotel ist nach Angaben der Schlafforscherin Sabine Scholle ein medizinisch belegbares Phänomen.

dpa APOLDA. Die schlaflose erste Nacht im Ferienhotel ist nach Angaben der Schlafforscherin Sabine Scholle ein medizinisch belegbares Phänomen.

„Untersuchungen in Schlaflaboren zeigen, dass Menschen in der ersten Nacht in fremder Umgebung nicht nur schlechter einschlafen, sondern auch schwerer in den der körperlichen Erholung dienenden Tiefschlaf kommen“, sagte die Leiterin des Schlafmedizinischen Zentrums am Krankenhaus Apolda in Thüringen in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Schlafmedizin bezeichnet dieses Phänomen als „First night effect“. Betroffen sind sowohl Erwachsene als auch Kinder.

Der „First night effect“ treffe nicht nur Menschen, die ohnehin an einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung leiden, sagte die Physiologin. „Er fällt individuell sehr unterschiedlich aus.“ Eine Studie mit 131 Kindern am Krankenhaus Apolda ergab, dass sich die schlaflosen Phasen in der ersten Nacht in fremder Umgebung im Vergleich zu normalen Nächten teilweise sogar verdoppeln. Verantwortlich dafür seien hauptsächlich psychologische Faktoren. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier - alles, was von den normalen Schlafgewohnheiten abweicht, wird als störend empfunden.“

In der ersten Urlaubsnacht stünden Reisende häufig noch unter Stress, so dass sie trotz Müdigkeit nicht in den Schlaf kämen. „Der Stau auf der Autobahn, der Flug, die Zeitverschiebung - alles ist da noch gegenwärtig.“ Zudem setzten sich viele Menschen vor dem Urlaub verschärft unter Druck, indem sie versuchten, noch so vieles wie möglich zu erledigen. Objektive Faktoren kämen hinzu. „Ein anderes Bett, eine andere Matratze, ein anderes Kopfkissen, unterschiedliche Geräusche, veränderte Außentemperaturen - all das wirkt zunächst beeinträchtigend.“ Häufig bleibe man im Urlaub länger auf und esse am Abend später als zu Hause. „Meist holt sich der Körper aber schon in der nächsten Nacht den entzogenen Schlaf zurück“, sagte Scholle.

Nach Angaben der Wissenschaftlerin ist das Phänomen der schlaflosen ersten Nacht auch nach der Rückkehr aus dem Urlaub zu beobachten. „Häufig beschäftigt man sich dann schon wieder gedanklich mit dem, was einen erwartet.“ Sinnvoll sei es deshalb, ein bis zwei freie Tage zwischen Heimreisetag und Rückkehr an den Arbeitsplatz zu legen, um den Übergang zu erleichtern. Auch bei der medizinischen Abklärung von Schlafstörungen in Schlaflaboren müsse der „First night effect“ berücksichtigt werden. Nach Schätzungen leidet etwa ein Drittel der Deutschen an Schlafstörungen.

Gespräch: Katrin Zeiß, dpa

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