Gesundheit: Studie: Delfintherapien haben keinen nachhaltigen Nutzen

Gesundheit
Studie: Delfintherapien haben keinen nachhaltigen Nutzen

Die unter anderem bei der Behandlung behinderter Kinder eingesetzte Delfintherapie hat keinen nachhaltigen Nutzen und wirkt nicht effizienter als andere tiergestützte Therapien.

dpa HAMBURG. Die unter anderem bei der Behandlung behinderter Kinder eingesetzte Delfintherapie hat keinen nachhaltigen Nutzen und wirkt nicht effizienter als andere tiergestützte Therapien.

Zu diesem Ergebnis kommt die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation (Wdcs) in einer am Mittwoch in Hamburg vorgestellten Studie. Die sehr teure Therapie diene meist vor allem kommerziellen Zwecken. Die Delfine aber litten massiv unter der Haltung in den Aquarien, sagte die Verhaltensforscherin Carola Otterstedt über die Ergebnisse der Untersuchung.

Ziel der Untersuchung „Delfintherapie - Eine Faktensammlung“ sei es gewesen, die Risiken der Therapieform seriös, wissenschaftlich und transparent zu erfassen, sagte Nicolas Entrup, Geschäftsführer der Organisation. Die Studie hinterfrage zwei grundsätzliche Therapieansätze mit Delfinen. Der eine gehe davon aus, dass die Konzentrationsfähigkeit der Patienten sich bessere, erklärte der Meeresbiologe Karsten Brensing. Beim zweiten Ansatz solle die Fähigkeit, sich entspannen zu können, gefördert werden. „Dies sind zwei komplett gegensätzliche Theorien“, sagte Brensing. Beide hielten wissenschaftlichen Überprüfungen nicht stand.

Der Berliner Rehabilitationspsychologe Erwin Breitenbach erklärte in einer Stellungnahme, es gebe eine Studie mit fünf- bis zehnjährigen Kindern mit schweren Behinderungen, deren verbale Kommunikation und Sozialverhalten mit einer Delfintherapie verbessert worden seien. Der Effekt habe auch nach einem halben bis einem Jahr noch nachgewiesen werden können - und sei damit nachhaltig, sagte der an der Humboldt-Universität Berlin lehrende Forscher.

Otterstedt kritisierte, dass Familien mit kranken Kindern eine „Wundertherapie“ versprochen würde. Drei Wochen Therapie in einem Zentrum in Florida kosteten etwa 15 000 Euro. Doch niemand schütze die Familien vor der Enttäuschung, wenn die Behandlung nicht anschlüge. „Eine Therapie mit Tieren ist immer nur eine Unterstützung der Behandlung und niemals eine Heilmethode.“

Wissenschaftliche Langzeitstudien zeigten, dass Therapien mit Haus- und Nutztieren, Hunden, Schafen und sogar Insekten ebenso wirksam seien wie die mit Delfinen. Für die Meeressäuger seien derartige Programme qualvoll: Bei der Haltung in Aquarien litten die Tiere unter Stress, die Sterblichkeitsrate sei um 60 Prozent höher als bei Artgenossen im offenen Meer.

Breitenbach erklärte, er habe in einer Studie gemeinsam mit anderen Forschern gezeigt, dass Nutztiere keineswegs den selben Effekt wie Delfine bewirken. „Der Delfin ist ein besonderes Tier mit besonderer, motivierender Ausstrahlung.“ Mit dem Meeressäuger könne man einfach mehr machen als mit einer Kuh. „Er ist ein vielfältigerer und interessanterer Interaktionspartner.“

Die Studie der Wdcs geht zudem auf die Gefährdung der 40 Delfinarten weltweit ein. Trotz Importverbots in die Europäische Union bestehe eine hohe Nachfrage, berichtete Brensing. Durch unkontrollierten Fang würden Bestände der freilebenden Delfine bedroht, sagte Brensing.

Die Wdcs wurde 1987 in England gegründet und setzt sich international für den Schutz von Walen und Delfinen ein.

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