Gesundheit
Zappelphilipp-Syndrom größtenteils genetisch bedingt

Das Zappelphilipp-Syndrom bei Kindern beruht nach Medizinermeinung größtenteils auf den Genen.

dpa JENA. Das Zappelphilipp-Syndrom bei Kindern beruht nach Medizinermeinung größtenteils auf den Genen. Das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (Adhs) sei zu 80 Prozent genetisch bedingt und trete nicht häufiger auf als früher, sagte Bernhard Blanz, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Jena.

„Dieser Schätzwert ist nach Untersuchungen und Studien in den Familien der Kinder in jüngerer Zeit belegt.“ Drei bis fünf Prozent der deutschen Kinder und Jugendlichen litten an so starken Symptomen, dass eine ärztliche Betreuung notwendig sei. In Jena beraten bis Samstag mehr als 100 Ärzte aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt über Diagnostik und Therapien.

Hauptfaktor für die Hyperaktivität der verbliebenen 20 Prozent seien Erziehung, aber auch Umweltfaktoren. Erst in dieser Woche beauftragte die EU-Kommission die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, dem Verdacht nachzugehen, dass Lebensmittelfarben Hyperaktivität bei Kindern auslösen können. Darauf deutet eine britische Studie hin.

„Nicht jeder Zappelphilipp leidet jedoch an Adhs“, betonte Blanz. Ärzte würden oft zuerst mit Problemkindern konfrontiert. Ihnen das notwendige Rüstzeug für eine korrekte Diagnose und Behandlung zu geben, sei Anliegen der Tagung. Neben Medikamenten, die zum Beispiel eine längere Konzentrationsphase in der Schule ermöglichten, spielte die Beratung der Eltern eine entscheidende Rolle. „Wir müssen bei dieser genetischen Erkrankung den Eltern die Schuldgefühle nehmen, versagt zu haben. Wir müssen aber auch gemeinsam Erziehungsstrategien entwickeln, mit denen die Kinder lernen, Adhs zu kontrollieren“, sagte Blanz.

Gelinge dies nicht, könnten die Kinder neben schulischen Leistungsdefiziten Störungen im Sozialverhalten mit weitreichenden Folgen entwickeln, warnte der Kinderpsychiater. „Dann wächst sich Nicht-Stillsitzen-Können und Unaufmerksamkeit zu Schulversagen und Fehlverhalten aus, bis hin zu extremen Fällen, bei denen Aggressivität in eine kriminelle Karriere mündet.“

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