Gewebe ersetzt Stahlgeflecht – Bauteile werden leichter und filigraner
Erste Brücke aus Textilbeton

Die Weltneuheit aus Beton versteckt sich zwischen zehntausenden Blumen: Auf dem Gelände der sächsischen Landesgartenschau in Oschatz entsteht die erste Fußgängerbrücke aus Textilbeton. Ihr Vorzug: Sie ist nur fünf Tonnen schwer.

HB DÜSSELDORF. „Aus Stahlbeton würde diese Brücke etwa das Fünffache wiegen“, sagt Manfred Curbach, Professor für Massivbau an der TU Dresden. Sein Team hat die Brücke zusammen mit den Betonwerken Oschatz gebaut. Statt der üblichen Stahlträger haben sie Glasfasermatten einbetoniert und so 80 Prozent des Gewichts gespart.

Abgespeckte Betonplatten sind auf dem Vormarsch: „Man kann sich viele Felder vorstellen, auf denen der Textilbeton deutliche Vorteile hat“, sagt Ulrich Neck vom Forschungsinstitut der Zementindustrie. Ebenso wie in Dresden gibt es an der Technischen Hochschule Aachen einen Sonderforschungsbereich für Textilbeton, auch die Uni Stuttgart forscht an diesem Werkstoff. Ziel der Forscher ist es nicht, sämtliche Stahlträger in Betonteilen durch Carbon oder Glas zu ersetzen. „Textilbeton ist etwas für Spezialanwendungen, etwa für Fassaden“, sagt Norbert Will, der die Forschung in Aachen koordiniert.

Beton aus Sand und Zement hält zwar hohem Druck stand, verträgt aber keinen Zug. Deshalb ist eine „Bewehrung“ nötig. Klassische Materialien dafür sind Stahlträger und Stahlgitter. Der Haken daran: Stahl rostet an der Luft. Deshalb braucht ein Stahlgitter selbst dann einen mehrere Zentimeter dicken Betonmantel, wenn die Platte gar keine schweren Lasten tragen muss.

Seit Mitte der 1960er Jahre gibt es eine Alternative zu Stahl: Spezialglas, das sich im laugenartigen Beton nicht zersetzt. Baustofffabriken machen daraus Kurzfaserbeton: Sie streuen kurze Glasfäden in den Zement. „Dabei werden die Vorteile der Faser aber nur wenig ausgenutzt“, sagt Gerd Franzke, Forschungsgruppenleiter am Dresdener Institut für Textil- und Bekleidungstechnik. Denn: Nur ein Teil der Fasern liegt in der richtigen Richtung im Betonteil. Beim Textilbeton dagegen bleibt die Lage nicht dem Zufall überlassen: Zum Einsatz kommen geordnete Gitter aus Glasfaser oder Carbon. So werden schlanke Platten möglich.

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