Forschung + Innovation
Gezeiten in unterirdischem See unter Südpoleis

Der riesige Vostok-See unter dem antarktischen Eis hat Gezeiten wie die Ozeane. Das haben Messungen deutscher, russischer und japanischer Forscher per Satellit und vor Ort erstmals belegt.

dpa DRESDEN. Der riesige Vostok-See unter dem antarktischen Eis hat Gezeiten wie die Ozeane. Das haben Messungen deutscher, russischer und japanischer Forscher per Satellit und vor Ort erstmals belegt.

Die Oberfläche des unterirdischen Sees hebt und senkt sich demnach abhängig von der Stellung der Erde zu Sonne und Mond um ein bis zwei Zentimeter. „Diese Effekte sind im Vergleich zu denen in Ozeanen zwar klein, aber dennoch über der Eisoberfläche gut messbar“, sagte der Koordinator der Polarforschung der deutschen Hochschulen, Reinhard Dietrich von der Universität Dresden.

„Wir gehen davon aus, dass die Schwankungen des Wasserpegels einen Pumpen-Effekt und damit eine Zirkulation innerhalb des Sees in Gang halten“, berichtete Dietrich. Dies gelte als wichtige Bedingung für das Überleben von Mikroorganismen. Möglicherweise existiere der See unter dem ewigen Eis seit mehreren Mill. Jahren isoliert von der Erdatmosphäre. Wissenschaftler schließen das Vorkommen urzeitlicher Mikroorganismen nicht aus. „Bei einer früheren Bohrung bis in 3 600 Meter Tiefe wurden Mikroben im Eis dicht über dem See nachgewiesen“, sagte Dietrich. Deren genaue Herkunft sei jedoch umstritten.

Der mehr als 1 000 Meter tiefe Lake Vostok liegt unter 4 000 Meter dickem Eis und 1 000 Kilometer von der Küste entfernt. Mit einer Länge von etwa 250 Kilometern und einer Breite von rund 50 Kilometern ähnelt er in der Ausdehnung dem amerikanischen Ontario-See, seine Oberfläche ist rund 25 Mal größer als die des Bodensees. Bereits in den 1960er Jahren berichteten Forscher sowjetischer Expeditionen über Senken, die gefrorenen Seen ähnelten. Von 1968 an gaben Radarmessungen weitere Hinweise. Satellitendaten aus den 90er Jahren zeigten schließlich den See.

Die Entnahme von Wasser- und Sedimentproben aus dem Vostok-See werde vorbereitet, sagte Dietrich. Bislang sei darauf verzichtet worden. Experten hatten die Verschmutzung des Wassers und das Einschleppen von Mikroben von der Erdoberfläche befürchtet.

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