Gezieltes Handeln
Zoo-Affe plant Steinattacken auf Besucher

Ein aggressives Schimpansen-Männchen in einem schwedischen Zoo liefert Wissenschaftlern den Beleg dafür, dass Affen sehr gezielt die Zukunft planen können: Der Schimpanse sammelt in ruhigen Stunden Wurfgeschosse, um sie später auf Besucher zu schleudern.
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HB STOCKHOLM. Schimpansen können offenbar gezielt im Voraus planen. Ein schwedischer Wissenschaftler stellte fest, dass ein Affe in den Morgenstunden im Zoo zahlreiche Steine und Betonbrocken sammelte. Im Laufe des Tages griff er auf sein Arsenal zurück und warf das Gestein wütend gegen Besucher des Tierparks. Damit stehe fest, dass Affen „die Zukunft auf sehr komplexe Weise betrachten“, sagte Mathias Osvath, der seine Studie in der Zeitschrift „Current Biology“ veröffentlichte.

Seine Beobachtungen legten nahe, dass die Tiere „ein hoch entwickeltes Bewusstsein haben“, erklärte der Student. Sie könnten damit mögliche Ereignisse vorab in Gedanken simulieren. Allerdings bedeuteten seine Ergebnisse nicht, dass alle Schimpansen derart zielgerichtet planen könnten, betonte Osvath.

Neben seinen eigenen Beobachtungen sind in die Studie Berichte von Pflegern im Zoo von Furuvik, 150 Kilometer nördlich von Stockholm, eingeflossen, die das Verhalten des Schimpansen „Santino“ seit zehn Jahren verfolgen. Die Handlungen des Affen folgten stets dem gleichen Schema: Sobald sich nach Öffnung des Zoos die erste größere Zuschauermenge gesammelt hatte, schleuderte er in einer Art Wutanfall gleich mehrere seiner zuvor gesammelten Wurfgeschosse auf die Besucher.

Die beiden Handlungen - Sammeln und Werfen - fanden damit eindeutig zeitlich getrennt und sogar in verschiedenen Gemütszuständen statt. Das Männchen habe keine anderen Affen angegriffen, sondern ausschließlich Besucher beworfen, sagte Osvath der Nachrichtenagentur AP. Getroffen habe er allerdings selten, und ernsthaft verletzt worden sei niemand. Außerhalb der Saison, wenn der Zoo für Besucher geschlossen blieb, legte der Affe keine Steinlager an.

„Santino“ wurde außerdem dabei beobachtet, wie er Betonblocks auf Schwachstellen untersuchte und einzelne Stücke herausschlug. War ein Brocken zu groß, um ihn als „Wurfgeschoss“ zu verwenden, zerkleinerte er ihn. Der Zoo ließ den in den Sommermonaten oft aggressiven Affen im vergangenen Herbst kastrieren.

Bereits im Jahr 2006 hatten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Verhaltensforschung in Leipzig herausgefunden, dass Affen wie kleine Manager in Kategorien von Produktivität und Effektivität denken können. Bei Versuchen in Uganda zeigte sich, dass die Tiere erkennen können, wann sie Hilfe brauchen und sich dann die besten Helfer suchen.

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