Gigantisches Ausgrabungsprojekt in Köln

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Gigantisches Ausgrabungsprojekt in Köln

Eines der größten Projekte in der Geschichte der Archäologie Europas hat am Dienstag in Köln mit dem symbolischen ersten Spatenstich begonnen.

dpa KöLN. Eines der größten Projekte in der Geschichte der Archäologie Europas hat am Dienstag in Köln mit dem symbolischen ersten Spatenstich begonnen. Über 100 Ausgräber aus mehreren Ländern werden in den kommenden vier Jahren zur Vorbereitung einer neuen U- Bahntrasse rund 100 000 Kubikmeter Erdreich durchforschen.

Bis zu 13 Meter mächtige Fundschichten aus sieben Jahrtausenden zwischen Jungsteinzeit und Preußen-Ära werden dazu mit Pinsel und Spachtel abgetragen, sagte der Leiter der Kölner Bodendenkmalpflege, Prof. Hansgerd Hellenkemper, der dpa.

Die etwa ein Jahrzehnt lang wissenschaftlich vorbereitete Ausgrabung auf einer Gesamtfläche von nahezu drei Fußballfeldern sei „das größte derartige Forschungsprojekt zwischen Neapel und Thessaloniki“, betonte der Direktor des Römisch-Germanischen Museums. Für die erwarteten „gigantischen Fundmengen“ aus der Unterwelt der seit zwei Jahrtausenden besiedelten Rhein-Metropole sei eine ganze Etage des Museums-Depots frei geräumt.

Schon jetzt blicke die internationale Fachwelt gespannt auf die Kölner Mega-Grabung, die zu den umfangreichsten innerstädtischen Archäologie-Kampagnen des Kontinentes gehören wird. Die Ausgrabung sei etwa zwanzig Mal so umfangreich wie Innenstadt-Grabungen in Deutschland üblicherweise.

Kölns Verkehrsbetriebe planen bis 2010 die neue U-Bahntrasse, die auf vier Kilometern vom Hauptbahnhof nach Süden die City durchschneidet. Generell bohren sich die U-Bahn-Bauer wie Maulwürfe horizontal unter den geschichtsträchtigen Erdschichten durch, doch an elf künftigen Haltestellen durchstoßen die Bauarbeiten logischerweise „das Bodendenkmal Köln“.

Die Wissenschaftler legen wert auf die Verknüpfung möglichst vieler Fachdisziplinen bis hin zur Klimatologie: So sei man auf der Spur einer schon im Grönlandeis nachgewiesenen kontinentalen Klimakatastrophe vor 1 800 Jahren. Die Ablagerungen im Römerhafen Kölns, der in der Antike ganz plötzlich verlandet ist, können möglicherweise weitere Auskunft über den Hergang geben. Das Gesamtprojekt sei schon jetzt absehbar „ein Paradebeispiel zur Erforschung der Siedlungsgeschichte einer europäischen Metropole“, die in Spätantike wie Hochmittelalter zu den größten Städten der damals bekannten Welt gehört hat.

Dank genauer Kenntnisse der römischen Colonia, mittelalterlicher Stadtansichten und preußischer Kataster starten die Wissenschaftler ihre „U-Bahnfahrt“ durch die Vergangenheit keineswegs ahnungslos: Das antike Hafentor wird von der Trasse ebenso berührt wie der Römerhafen, riesige römische Tempel-Unterbauten ebenso wie der frühmittelalterliche Marktplatz. Reste eines Klosters liegen am Weg. Dann folgt wenige U-Bahnstationen weiter die massive Stadt-Mauer von 1 180, einst gewaltiger Schutz der mittelalterlichen „Boom-Town“ am Rhein.

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