Glas-Ersatz
Brillenglas-Branche blickt auf optische Kunststoffe

Immer seltener fertigen Hersteller Brillengläser, Linsen oder Autoscheinwerfer aus Glas. Die Unternehmen setzen stattdessen auf Kunststoff. Dieser lässt sich einfacher formen und ist in der Massenproduktion billiger. Doch noch sind nicht alle angetan vom künstlichen Glas-Ersatz.

KÖLN. Die Brillen, die das Werk der Nürnberger Eschenbach Optik GmbH &Co. KG verlassen, sind nach wie vor aus Glas – eins der neuesten Produkte aber, eine fast scheckkartenflache Lupe mit dreifacher Vergrößerung, hat das traditionelle Material hinter sich gelassen und ist aus einem Kunststoff gefertigt. „Kunststoff hat heute riesige Vorteile gegenüber Glas“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Dietrich. Er lässt sich beispielsweise einfacher formen. Spezielle optisch reine Kunststoffe, die besonders klar sind und das Licht optimal brechen, stehen Glas in kaum etwas nach. Deshalb verwendet das Unternehmen immer mehr davon für seine optischen Geräte.

In den optischen Industrien, die ein viel weiteres Feld umfassen als nur Sehhilfen und Vergrößerungsgläser, sind Kunststoffe auf dem Vormarsch. „Die Optik ist definitiv ein Wachstumsmarkt für Kunststoffe“, fasst Matthias Militsch von der Iserlohner Kunststoff-Technologie GmbH, einem Dienstleister für die Kunststoff verarbeitende Industrie, die aktuelle Lage zusammen. Zwar haben noch nicht alle Zweige der Optik-Branche Erfahrung mit der künstlichen Glas-Alternative, und bei einigen Anwendungen hat Glas noch immer die Nase vorn. Aber die Forschung schreitet voran und neue, verbesserte Kunststoffe können die Optik-Industrie für sich einnehmen.

Besonders die auf optische Komponenten spezialisierten Automobilzulieferer machen bereits seit längerer Zeit regen Gebrauch von Kunststoffen. Bei Seitenscheiben kommen sie oft zum Einsatz, ebenso bei Scheinwerferscheiben und der Tacho-Beleuchtung - hierbei wird das Licht von Kunststoff-Komponenten so geführt, dass der Tacho auch ohne direkte Lichtquelle beleuchtet ist. "Bei den Beleuchtungsoptiken ist der Kunststoff auf dem Vormarsch", sagt Optik-Experte Sebastian Heßner vom Institut für Kunststoffverarbeitung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Auch im Bereich der abbildenden Optiken, dessen Großteil Linsen ausmachen, sind Kunststoffe keine unbekannte Größe mehr. „Die gängigste Anwendung ist das Fotohandy", erklärt Heßner. Die Linse der eingebauten Kamera ist in der Regel aus Kunststoff, denn sie muss viel aushalten und darf nicht viel wiegen.

Im geringen Gewicht liegt einer der großen Vorteile, den Kunststoffe gegenüber Glas haben. Der zweite ist, dass sie in der Massenproduktion billiger sind als Glas, denn Glas muss oft nach den einzelnen Fertigungsschritten noch nachpoliert werden. Für die Massenproduktion in der Optik-Industrie sind Kunststoffe generell geeigneter als Glas – denn mit Hilfe des Spritzgießens kann man sie im Gegensatz zu Glas in beinahe jede gewünschte Form bringen. So kann zum Beispiel eine Scheiben-Halterung gleich in die Spritzguss-Form integriert werden, die Scheibe kommt mitsamt Halterung in einem Stück aus der Maschine und ein Arbeitsschritt – das Anbringen der Halterung - entfällt.

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