Gletschermumie  

Ötzis Tattoos sind die ältesten

Die älteste Körperbemalung der Welt findet sich doch am „Eismann“ Ötzi. US-Forscher haben jetzt einen Datierungsfehler korrigiert, der zwei Jahrzehnte lang durch die wissenschaftliche Literatur gewandert war.
Seine Tattoos sind die ältesten. Quelle: dpa
Eismumie Ötzi

Seine Tattoos sind die ältesten.

(Foto: dpa)

HeidelbergDie Tätowierungen am ausgetrockneten Körper der Gletschermumie Ötzi sind wohl doch die ältesten bekanntesten Tattoos der Welt. Eine südamerikanische Mumie mit einem tätowierten Menjou-Bärtchen, die bisher als mindestens ebenso alt galt, erwies sich nun als ein ganzes Stück frischer als bisher vermutet.

Während Ötzi vor etwa 5200 Jahren starb, schrieben Wissenschaftler der Konkurrenz aus Chile, einer Mumie der Chinchorro-Kultur, sogar ein Alter von etwa 6000 Jahren zu. Wie sich allerdings nun herausstellte, handelte es sich dabei bloß um einen Tippfehler.

Neuer Vorfahr des Menschen entdeckt
Homo naledi
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Wissenschaftler haben zum ersten Mal Fossilien einer frühen Menschenart entdeckt, die wie der moderne Mensch einen Bestattungsritus pflegte. Forscher entdeckten die Überreste in der Höhle Rising Star (Aufgehender Stern) in Südafrika. Nach dem Fundort benannten sie die Art „Homo naledi“ – in der südafrikanischen Sprache Sesotho ist „naledi“ das Wort für Stern.

Frühe Bestattung
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Homo naledi legte die Körper seiner Verstorbenen offenbar bewusst in einem abgelegenen Raum der Höhle ab. Dies sei bemerkenswert, da eine Bestattung von Toten bisher nur dem modernen Menschen zugeschrieben wurde, schreiben die Forscher, zu denen auch zwei Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig gehören.

Rund 1500 Fundstücke
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Bei dem bereits 2013 gemachten Fund handelt es sich um den bisher größten zusammengehörigen Fund fossiler menschlicher Überreste auf dem afrikanischen Kontinent. Die rund 1500 entdeckten Fossilien wurden in einem tief im Fels gelegenen Raum gefunden, der von den übrigen Kammern der Höhle getrennt war.

Keine Spuren von Raubtieren
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Die Knochen weisen keinerlei Spuren von Aasfressern und Raubtieren auf. Nichts deutet darauf hin, dass Tiere oder vom Menschen unabhängige natürliche Prozesse die Toten in die Kammer transportiert haben könnten.

Bewusst am Fundplatz abgelegt
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Die Forscher gingen zahlreiche Szenarien durch – beispielsweise ein Massensterben, ein unbekanntes Raubtier, den Transport von einem anderen Ort in die Kammer mithilfe von Wasser oder den Unfalltod in einer Todesfalle. Nachdem solche Möglichkeiten ausgeschlossen werden konnten, blieb als plausibelste Variante nur die bewusste Verbringung der Toten.

1,50 groß und 45 Kilo schwer
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Nach den Forschungsergebnissen hatte Homo naledi ein winziges Gehirn von der Größe einer Orange und einen grazilen Körperbau. Er wurde im Schnitt etwa 1,50 Meter groß und wog etwa 45 Kilo. Zum Alter der Art wollten die Wissenschaftler vorerst noch keine Angaben machen.

Zähne ähneln dem Homo habilis
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Der Homo naledi zeigte verschiedene Besonderheiten. So ähnelten die Zähne denen der frühesten Vertreter der menschlichen Gattung wie etwa dem Homo habilis, die Schultern denen von Menschenaffen.

Die chilenische Mumie war mit der Radiokarbonmethode auf das Jahr 3830 vor heute datiert worden – in den Datenbanken allerdings war als Datum 3830 v. Chr. eingetragen. Diese fehlerhafte Angabe machte die Mumie in der wissenschaftlichen Literatur um 2000 Jahre älter.

Auf den Fehler stießen vier Forscher um Lars Krutak vom National Museum of Natural History in Washington, D. C., als sie die chilenische Mumie genauer untersuchten und dabei die ursprüngliche Radiokarbondatierung an Lungengewebe der Mumie noch einmal ins Auge fassten. Anscheinend geschah der Fehler sehr früh und pflanzte sich dann unkontrolliert durch die wissenschaftliche Literatur fort.

Krutak und seine Kollegen, die nach eigenen Angaben selbst auf das falsche Datum hereinfielen, publizieren den Fehler nun und hoffen, die falsche Angabe so zu korrigieren. Dadurch ist Ötzi mit seinen mehreren Dutzend vermutlich medizinischen Tattoos um 1400 Jahre älter und der älteste bislang gefundene tätowierte Mensch.

Das allerdings dürfte nicht so bleiben, geben sich die Autoren der Veröffentlichung überzeugt: Die Praxis der Tätowierung sei so alt, dass wahrscheinlich früher oder später eine ältere tätowierte Mumie auftaucht.

  • Lars Fischer
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