Globales Samenlager
Der wichtigste Kühlschrank der Welt

Norwegen sorgt sich um die Zukunft der Menschheit: Im Eis von Spitzbergen wird am Dienstag eine Lagerstätte für die Kulturpflanzen der Erde eröffnet. Die Arche Noah für Pflanzen soll das Überleben des Menschen nach einer globalen Katastrophe sichern.

HB OSLO/LONGYEARBYEN. Eine tiefgekühlte Schatzkammer für die Kulturpflanzen der Menschheit wird am Dienstag auf der Polarinsel Spitzbergen eröffnet. In 130 Meter Höhe hat Norwegens Regierung drei Hallen in einen von ewigem Frost gekühlten Berg bohren lassen, um eine gigantische Sammlung von Pflanzensamen aus aller Welt einzulagern. Der Vorrat soll sicherstellen, dass auch nach globalen Naturkatastrophen neue Samen bereitliegen, um wieder mit dem Anbau von Lebensmitteln beginnen zu können.

Zur feierlichen Eröffnung haben sich unter anderem EU- Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Norwegens Regierungschef Jens Stoltenberg sowie die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai angesagt. Norwegens Landwirtschaftsminister Terje Riis-Johansen konnte die Eröffnung kaum erwarten: „Das wird wie eine moderne Neuauflage der Arche Noah.“ Die erste Saatgut-Lieferung traf aus Afrika ein. Das in Nigeria ansässige Internationale Institut für Tropen-Landwirtschaft sandte 20 Kisten mit 7000 Samenproben aus 36 afrikanischen Ländern.

Vor allem in tropischen Ländern könnten die Samen im Katastrophenfall allzu leicht zerstört werden. Wenn die Kühlschränke ausfallen, keimen oder vergammeln die Samen schnell. Anders sieht es auf Spitzbergen aus, nur 800 Kilometer vom Nordpol entfernt. Die Durchschnittstemperatur liegt hier bei minus drei bis vier Grad. Die drei je sechs Meter hohen Lagerhallen in einem Berg nahe des kleinen Flugplatzes von Longyearbyen werden permanent auf 18 Grad minus gekühlt. Das ist die ideale Temperatur, um das eingelagerte Samengut für gut tausend Jahre frisch zu halten.

Die globale Samenkammer soll aber noch ganz andere Bedingungen erfüllen: Sie ist so hoch über dem Meeresspiegel angelegt, dass die Hallen auch bei Erfüllung der pessimistischsten Vorhersagen über die Klimaveränderungen trocken bleiben sollen. Auch ein Atomkrieg dürfte ihnen nach Meinung der Konstrukteure nichts anhaben. Und sogar für das Aushebeln etwaiger direkter Raketenangriffe haben die Konstrukteure sich etwas ausgedacht. Die Gänge sind versetzt, damit ein direkter Treffer möglichst nicht in die Lagerräume vordringt.

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