Glücksspiel und Gesellschaft
Baugenehmigung für Luftschlösser

Warum spielen wir Lotto? Die Antwort erscheint einfach: natürlich um Millionen zu gewinnen! In unserer Gesellschaft hat das Glücksspiel jedoch noch eine komplexere Rolle. Es stabilisiert sie über den kollektiven Traum vom materiellen Glück. Darauf deuten zumindest die Forschungsergebnisse von Kölner Sozialwissenschaftlern hin.

KÖLN. Jens Beckert, Direktor am Max-Planck für Gesellschaftsforschung, -Institut und sein Mitarbeiter Mark Lutter befragten eine repräsentative Auswahl von 1 500 Bundesbürgern zu ihren Spielgewohnheiten. Dabei gewannen sie überraschende Einblicke, die aus soziologischer Sicht hoch spannend sind. Sie könnten auch Ökonomen neue Einsichten über das Verhalten von Akteuren auf wichtigen Märkten bescheren.

Das Kölner Team konzentrierte sich auf das klassische Lottospiel "6 aus 49". Es verheißt für einen kleinen Einsatz Millionengewinne und bietet mit der öffentlichen Ziehung im Fernsehen dramatische Höhepunkte. Zudem sind Lottoscheine überall problemlos zu bekommen. Diese Mischung verlockt rund 24 Millionen erwachsene Bundesbürger, mindestens einmal im Jahr mitzuspielen. Jeder fünfte füllt einmal pro Monat oder noch häufiger seinen Schein aus. 2005 investierten die Deutschen mit dem "Spiel 77" und der "Super 6" zusammen über acht Milliarden Euro in den Traum vom großen Glück. Das entspricht etwa dem Umsatzvolumen des deutschen Buchmarkts.

"Anfangs waren wir schon überrascht, wie groß dieser Markt ist", sagt Jens Beckert. Diese Breite des gesellschaftlichen Phänomens ist für die Sozialwissenschaftler zwar wichtig, doch sie haben den Lotteriemarkt vor allem wegen einer Besonderheit untersucht. Lotto müsste eigentlich unpopulär sein, wenn Menschen streng wirtschaftsrational denken würden. Schließlich ist die Chance auf den Hauptgewinn frustrierend gering. Statistisch gesehen muss man bei "6 aus 49" inklusive "Superzahl" knapp 140 Millionen Mal spielen, um einmal den Jackpot zu knacken. Zudem schüttet die staatliche Lotteriegesellschaft auch nur 48 Prozent des eingesammelten Geldes wieder als Gewinne aus. "Statistisch bekommt man nur knapp die Hälfte des Einsatzes zurück", erklärt Beckert. "Es handelt sich also um ein Gut mit negativem monetären Nutzen."

Das steht im Kontrast zu den Annahmen der klassischen Wirtschaftstheorien. Nach diesen sollten Marktakteure Güter mit einem für sie positiven materiellen Nutzen bevorzugen. Um die Motive der Lottospieler genau zu erforschen, testeten die Max-Planck-Wissenschaftler verschiedene Theorien durch.

Eine nimmt zum Beispiel an, dass die Spieler schlicht ihre Gewinnchancen falsch einschätzen, und zwar zu optimistisch. Tatsächlich haben Menschen Schwierigkeiten im Umgang mit Wahrscheinlichkeiten, haben Psychologen herausgefunden. Doch die Kölner Soziologen stellten fest, dass nur acht Prozent der Befragten einer solchen Fehleinschätzung aufsitzen. Interessanterweise ist das Risiko der Fehleinschätzung bei Männern fast doppelt so hoch wie bei Frauen. "Frauen gehen offenbar verantwortlicher mit Geld um als Männer", vermutet Beckert.

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