Graffiti-Cracker
Retter der Wände

Als Kind erkundete Dirk Schumann die Grenzen seines Chemiebaukastens. Jetzt hat er eine Nanosubstanz entwickelt, die Graffitis binnen fünf Minuten einfach ablättern lässt. Bei ihren Forschungen schreckt Schumanns kleines Forscher-Team auch vor Selbstversuchen nicht zurück.

Wo bist Du, Junge?" rief seine Mutter panisch ins Kinderzimmer. "Man sah vor Qualm die eigene Hand nicht mehr vor Augen", erinnert sich Dirk Schumann an sein misslungenes Experiment im elterlichen Reihenhaus bei Stuttgart. An sich sollte es Plastiksprengstoff werden, gesteht er. Doch das Gemisch, das der Teenager aus Rhizinusöl und Schwarzpulver zusammengebraut hatte, wirkte wie eine Rauchbombe.

Das also kommt dabei heraus, wenn Eltern ihren Kindern einen Chemiebaukasten schenken: Eine Leidenschaft, die einen nicht mehr loslässt, Chemie-Studium, Promotion - inzwischen hat Schumann die Materie bestens im Griff.

Mehr noch: Schumann ist Mitgründer eines Start-ups, das einen potenziellen Verkaufsknaller im Regal stehen hat: Graffiti-Entferner. Aus einem komplexen nanotechnischen Stoffgemisch hat der 41-Jährige ein Putzmittel entwickelt, das die ungeliebten Farbschmierereien in fünf Minuten ohne Mühe restlos entfernt. Genug Bedarf besteht: Der Deutsche Städtetag schätzt den jährlichen Schaden durch illegale Sprühereien auf 200 Millionen Euro.

"Graffiti-Crack funktioniert wie ein Mikrospachtel", erklärt Schumann im wohnzimmergroßen Labor seiner Firma Bubbles & Beyond, die er 2006 mit seinem Kollegen Rainer Surkow in Leipzig gegründet hat. "Man kann die nanotechnisch zerteilten Lackpartikel regelrecht von der Wand abheben und wegspülen." Gerade kommen die beiden Geschäftsführer von einer Präsentation - noch in Anzug und Krawatte lässt Schumann es sich nicht nehmen, den Effekt des wundersamen Reinigers zu demonstrieren. Er pinselt die gelartige Paste auf eine bunt besprühte Keramikplatte. Kurz darauf hält er das Teil einfach unter den Wasserhahn. Und die behandelte Stelle wird blitzblank.

Was bleibt, ist ein Fleck auf dem Anzug, wahrscheinlich Graffiti-Crack, meint Schumann. Es ergibt Sinn, dass er sonst die meiste Zeit im weißen Kittel herumläuft, während er mit Plastikfläschchen und Reagenzgläsern hantiert. Das kleine Team ist Selbstversuchen gegenüber durchaus aufgeschlossen. Bis vor kurzem hatte Schumann sogar noch eine Pilzzucht zu Hause, er wollte spezielle Moleküle in der Pilzhaut erforschen. "Der Vorteil war, dass man die Pilze auch essen konnte", sagt er. Doch als er eines Tages die Pilzkultur abduschen wollte, schmiss ihn seine Frau aus dem Badezimmer. Familie Schumann kauft nun Pilze wieder im Supermarkt.

Seinem vierjährigen Sohn kann Schumann etwas ganz Besonderes bieten: Seifenblasen, die wochenlang nicht zerplatzen - sie lassen sich anfassen und sogar stapeln. Der Effekt funktioniert dank einer von Schumann erfundenen Oberflächentechnologie - sie ist das zweite Standbein für Bubbles & Beyond.

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