Gravierende Wissenslücken
Behörde warnt vor Nanotechnik

Das Wort Nanotechnik klingt für die meisten Menschen positiv, wie eine Analyse des Bundesinstituts für Risikobewertung ergeben hat. Denn bisher ist fast immer nur von vielversprechenden Anwendungen und Riesenchancen zum Beispiel bei der Bekämpfung schwerer Krankheiten die Rede. Das soll sich nun ändern: Erstmals in Deutschland gibt es eine offizielle Warnung vor den Risiken.
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FRANKFURT/MAIN. Das Umweltbundesamt (UBA) warnt angesichts unerforschter Risiken vor einer sorglosen Verwendung von Nanoteilchen in Nahrungsmitteln, Kleidung, Kosmetika und anderen Produkten. Die Nanotechnik biete erhebliche Potenziale für ökologische Produkte, aber auch Risiken für die Umwelt und die Gesundheit. „Hier bestehen noch gravierende Wissenslücken“, erklärte die Behörde am Mittwoch.

Der Markt wächst rasant. Dabei ist „noch sehr wenig über die Exposition des Menschen und der Umwelt durch Nanomaterialien bekannt“, wie das Umweltbundesamt in seiner neuen Studie erklärt. Verbraucher können überhaupt nicht erkennen, in welchen Produkten eine Nanotechnik steckt.

Deswegen sind sie trotz der grundsätzlich positiven Einstellung doch überwiegend skeptisch, wenn es um Lebensmittel geht. Nanopartikel können Berichten zufolge als Metalloxide in Nahrungsmitteln wie zum Beispiel Tütensuppen und Streugewürzen sein. Siliziumdioxid soll die Fließeigenschaft von Ketchup verbessern. Aluminiumsilikate könnten das Zusammenbacken von pulverförmigen Lebensmitteln verhindern.

Die Industrie entwickelt funktionelle Lebensmittel, in denen Vitamine, Omega-3-Fettsäuren, Phytosterole und Aromen in Nanokapseln eingeschlossen werden, um sie dann im Körper gezielt freizusetzen. Die „Transportbehälter“ bestehen aus organischen Verbindungen wie Liposomen, Mizellen oder Vesikel, die - im Gegensatz zu anorganischen Stoffen - keine neuen Eigenschaften erhalten. Materialien für die Kapselhülle sind bereits als Lebensmittelzusatzstoffe (E 459 und E 432 bis E 436) zugelassen.

Wissenschaftler warnen allerdings vor Nanomaterialien aus körperfremden Stoffen: „Sobald Nanopartikel in den Körper gelangen, können sie potenziell gefährlich werden“, zitierte das Fernsehmagazin „Nano“ den Schweizer Christoph Meili von der Innovationsgesellschaft St. Gallen. „Durch die veränderten chemisch-physikalischen Eigenschaften können sich Stoffe im Körper anders verhalten. Sie können in die Zellen eindringen oder in den Zellkern.“

Die Vereinten Nationen hatten 2007 im UN-Umweltbericht die Staaten zu schnellem Handeln aufgefordert, um Vorteile und Risiken der neuen Techniken besser einschätzen zu können. Als erste internationale Forschungseinrichtung in Europa widmet sich das International Iberian Nanotechnology Laboratory (INL) vier Schwerpunkten - der Nanomedizin, dem Umwelt-Monitoring, der Nahrungsmittelkontrolle und der Nano-Elektronik.

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