Grippeimpfung
Zellen produzieren Impfstoff

Durchbruch in der Forschung nach neuen Methoden zur Gewinnung von Impfstoffen gegen die Influenza: In Marburg läuft die Produktion des Unternehmens Novartis-Behring auf Hochtouren. Entscheidend bei der Herstellung des neuen Mittels ist die Tatsache, dass statt Hühnern ein anderes Tier das benötigte Zellmaterial liefert.

MARBURG. Der Marburger Impfstoffhersteller Novartis-Behring ist bei dem Wettlauf um ein neues Herstellverfahren für Grippeimpfstoffe als erster durchs Ziel gegangen. Das Unternehmen hat vorgestern die europaweite Zulassung für sein Influenza-Serum Optaflu erhalten, das erstmals im industriellen Maßstab mit Zellkulturen eines Hundes, statt mit Hühnereiern gewonnen wurde. Die zertifizierte Pilotanlage, die im Marburger Werk entwickelt wurde, wird in diesem Jahr zwischen ein und zwei Millionen Impfdosen herstellen.

Zur Zeit baut der Impfstoffhersteller am Rand der Hessischen Universitätsstadt weitere sechs Produktionslinien auf, die nach und nach die herkömmliche Grippeimpfstoffherstellung in der Größe von 30 bis 40 Millionen Impfeinheiten ersetzen sollen. Parallel wird eine Anlage in den USA installiert. Das Unternehmen plant dort die Beantragung einer Zulassung im nächsten Jahr.

„Mit den Zellkulturen kann die Produktion von Impfstoffen wesentlich schneller gestartet werden“, bringt Norbert Klein, Produktionsleiter im Marburger Werk einen wesentlichen Vorteil des neuen Verfahrens auf dem Punkt. Das könne vor allem bei einer Pandemie, einer weltweiten Grippe-Epidemie, entscheidend sein, so Klein. Influenza-Impfstoffe werden heute noch mit embryonierten Hühnereiern hergestellt. Da dafür nur Eier aus einem zertifizierten Geflügelbetrieb verwendet werden können, muss die Produktion des Grippevirus von der Menge her genau vorgeplant werden.

Das sieht auch die Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts so: „Wenn eine unerwartete, große Grippewelle zu einer Pandemie würde, könnte es schwierig werden, einen neuen Impfstoff schnell genug in den nötigen Mengen zu produzieren“, sagt Susanne Stöcker. Mit der Zulassung des alternativen Produktionsverfahren gebe es nun erstmals eine wichtige Alternative.

Ein anderer Aspekt kommt hinzu. Seit der vermehrten Verbreitung des Vogelgrippevirus H5N1 vor allem in Asien wird befürchtet, dass sich dieses mit einem für Menschen gefährlichen Grippevirus kreuzen und die nächste Pandemie auslösen könnte. Das Virus ist unter Hühnern sehr ansteckend und könnte dazu führen, dass der Eierbestand gerade zum Zeitpunkt einer weltweiten Pandemie zu gering wäre für die Herstellung eines geeigneten Impfstoffes. Daher wünschen sich Impfstoffexperten schon lange eine Alternative zu dem heutigen Herstellverfahren.

Seite 1:

Zellen produzieren Impfstoff

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%