Forschung + Innovation
Größtes Teleskop der Welt mit deutschem „Gehirn“

Im US-Bundesstaat Arizona ist das größte optische Einzelteleskop der Welt in Betrieb genommen worden. An der gigantischen Anlage auf dem Mount Graham enthüllten Wissenschaftler eine Gedenkplakette, die mit einer deutschen, einer italienischen und einer US-Fahne verhüllt war.

dpa TUSCON. Im US-Bundesstaat Arizona ist das größte optische Einzelteleskop der Welt in Betrieb genommen worden. An der gigantischen Anlage auf dem Mount Graham enthüllten Wissenschaftler eine Gedenkplakette, die mit einer deutschen, einer italienischen und einer US-Fahne verhüllt war.

Institute aus diesen Ländern haben das Large Binocular Telescope (LBT) gebaut und finanziert. Deshalb steht deutschen Forschern ein Viertel der Beobachtungszeit zu. Das Teleskop ist so stark, dass in 2,5 Mill. Kilometern Entfernung noch das Licht einer Kerze nachzuweisen ist. Indianer, denen der Berg heilig ist, und Umweltschützer hatten zuvor gegen das Projekt protestiert.

„Die Anlage ist atemberaubend“, sagte der Kosmologe Matthias Steinmetz, wissenschaftlicher Vorstand des Astrophysikalischen Instituts Potsdam, in einem dpa-Gespräch. „Es ist eines der größten wissenschaftlichen Projekte, an dem Deutschland ganze vorn mit dabei ist.“ Steinmetz war mit etwa 25 Wissenschaftlern aus Deutschland bei der Feier. Die Projektleitung demonstrierte, wie die Seitenwände des drehbaren Gebäudes zur Sternenbeobachtung aufgeklappt werden können.

Deutsche Astrophysiker und Kosmologen wollen in Arizona einem der größten Geheimnisse des Universums auf die Spur zu kommen: „Das ist die heiße Frage: Wann sind die ersten Sterne entstanden?“, sagte Steinmetz. Zudem wollen sie erstmals Planeten in anderen Sonnensystemen nachweisen. Aus deutschen Werkstätten stammt das „Gehirn“ der Anlage: die Steuerungseinheit und die Messgeräte. Die Italiener bauten die Kamera, die Amerikaner Hard- und Software.

Das neue Teleskop ist leistungsstärker als alles, was bislang gebaut wurde. „Damit wird Neuland betreten. Es ist die erste Anlage der nächsten Generation“, sagte Steinmetz. Das Teleskop hat zwei je 18 Tonnen schwere Spiegel mit einem Durchmesser von je 8,4 Metern. Einer wurde bereits installiert, der andere wird in Tuscon noch poliert. Wenn die beiden Spiegel zusammengeschaltet sind, erlaubt dies wie bei einem gigantischen Feldstecher einen plastischen Blick ins All. Nach Angaben von Steinmetz ist damit erst 2007 zu rechnen.

Die einzelnen Komponenten des Teleskops müssen in den kommenden Monaten noch aufeinander abgestimmt werden „Die reine wissenschaftliche Nutzung beginnt erst 2006“, sagte Steinmetz. Erste wissenschaftliche Erkenntnisse seien aber schon möglich. Im Frühjahr sind bereits zehn bis 20 Beobachtungsnächte geplant. „Das ist wie bei einer Testfahrt im Auto. Es läuft alles, aber noch sitzt der Konstrukteur mit im Auto und nicht nur der Kunde.“ Als erstes müssen die beiden Spiegel noch versilbert werden. Die Arbeiten hatten sich wegen eines Waldbrandes in Arizona im Sommer verzögert. Die Geräte dafür konnten nicht rechtzeitig auf den Berg gebracht werden.

An dem Gemeinschaftsprojekt haben die Max-Planck-Institute aus Heidelberg, Garching und Bonn sowie das Astrophysikalische Institut Potsdam und die Landessternwarte Heidelberg mitgearbeitet.

Apachen und Umweltschützer hatten lange gegen das Projekt protestiert und den Bau mehrfach verzögert. Den Indianern ist der Berg heilig. Naturschützer sehen ein besonderes Ökosystem mit fünf Klimazonen gestört. Die Feier am Samstag wurde von einem großen Polizeiaufgebot überwacht. Zwischenfälle gab es nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%