Große Pläne, knappe Kassen
Indien startet 100. Mission ins All

Am Sonntag startet zum 100. Mal eine indische Rakete ins All. Und die Pläne in Sachen Raumfahrt sind ehrgeizig. Doch Kritiker warnen vor zu großer Euphorie - nicht zuletzt wegen des knapp bemessenen Budgets.
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Neu DelhiDas ambitionierte indische Raumfahrtprogramm feiert ein Jubiläum: An diesem Sonntag startet zum 100. Mal eine indische Mission ins All. Eine Trägerrakete des Typs PSLV-C21 soll vom Weltraumbahnhof Satish Dhawan nördlich der Stadt Chennai abheben. Indiens staatliche Weltraumforschungsorganisation Isro verfolgt mit dem „Taxi“ ins All kommerzielle Ziele: An Bord werden ein europäischer Forschungssatellit der EADS-Tochter Astrium und ein kleiner japanischer Testsatellit sein.

Indiens Griff nach den Sternen begann bescheiden. 1975 brachte eine sowjetische Kosmos-Rakete den ersten indischen Satelliten in eine Umlaufbahn - um Strahlungen zu erforschen. Fünf Jahre später gelang Isro dann erstmals der erfolgreiche Start einer Trägerrakete.

Der Erfolg gab der Raumfahrtbehörde nicht nur einen Schub für die Entwicklung weiterer Satelliten, sondern auch für den Bau moderner Trägersysteme wie der PSLV-Rakete. „Die PSLV ist unser Arbeitspferd“, erläutert ein Isro-Sprecher. In den vergangenen Jahren beförderte Isro damit Satelliten des Insat-Programms ins All, von denen noch zehn in Betrieb sind. Hinzu kommen zwölf aktive Erkundungssatelliten der IRS-Klasse. Isro spricht in diesem Zusammenhang von „einem der größten nationalen Satellitensysteme im asiatisch-pazifischen Raum“. Seit 1999 setzten PSLV-Raketen zudem 27 ausländische Satelliten aus.

Bis vor zehn Jahren habe sich die Behörde vor allem auf Projekte konzentriert, die der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Indiens zugutekämen, sagt der frühere Isro-Chef Udipi Ramachandra Rao. „Das betrifft Bereiche wie Telekommunikation und Rundfunkübertragung. Unsere Daten sind aber auch von Bedeutung für Land- und Fischereiwirtschaft.“ Inzwischen blicke man tiefer ins All.

Im Herbst 2008 startete eine PSLV-Rakete mit der ersten indischen Mondsonde an Bord. „Chandrayaan-1“ lieferte zehn Monate lang Daten vom Erdtrabanten an die Forscher. Dann brach der Kontakt ab - früher als geplant. Isro sprach trotzdem von einem Erfolg: Die Sonde habe ihre Aufgaben „zu 90 bis 95 Prozent“ erfüllt. Kopfzerbrechen bereiten der Behörde dagegen seit Jahren die GSLV-Trägerraketen für schwere Nutzlasten, deren Starts zuletzt alle missglückten.

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  • Das wär doch eine gute Gelegenheit, die Entwicklungshilfe für Indien einzustellen.

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