Großformatige Aufnahmen in 3-D-Optik
Die Tapete als Wackelpostkarte

Dreidimensionale Fotos in Größe eines Hauses? Eine junge Firma aus Kiel arbeitet daran: Mit einem Spezialfilm will das Start-up Realeyes riesige Fotowände ermöglichen, die beim Betrachter den Eindruck räumlicher Tiefe erzeugen. Vor allem Werbekampagnen oder Messestände sollen so an Wirkung gewinnen.

HAMBURG. Bis zu zehn mal zehn Meter große Darstellungen sollen entwickelt werden – auch Schriftzüge oder Logos wären in die 3-D-Optik übertragbar. Die eingesetzte Technik ist verwandt mit den beliebten Wackelpostkarten, die je nach Betrachtungswinkel ihr Motiv ändern. Sie basieren auf dem so genannten Linsendruck. Ein Verfahren, das lange Zeit in Vergessenheit geraten war: Der Physiker Gabriel Lippmann hatte bereits 1908 die Möglichkeit entdeckt, dreidimensionale Fotos mit Hilfe von speziell geschliffenen Linsen und besonderen Filmen zu erzeugen. Erst nach dem Jahr 1960 entwickelte sich aus seinen Ideen die Technik der Zylinderlinsendruckes. Vorteil: Der Effekt entsteht auch ohne 3-D-Brillen oder teure Diaprojektoren.

Realeyes-Gründer Bodo von Laffert greift den Ansatz des Linsendruckes auf, um dreidimensionale Fotos von höchster Qualität herzustellen. Dabei mutet die für das Verfahren modifizierte Reflexkamera altmodisch an: Sie arbeitet analog. Doch die entscheidende Rolle für das neue 3-D-Verfahren spiele ohnehin der Film, auf dem die Motive aufgenommen werden, sagt der Chef. Das Trägermedium besteht aus Kunststoff – viel mehr verrät von Laffert nicht. Erfunden hat die Technologie sein Cousin, der Physiker Felix von Laffert, der Mitinhaber von Realeyes ist.

Sicher ist: Jeder dieser Kunststoff-Filme besteht aus Millionen winziger, aneinander geketteter Linsen. Seine Struktur erinnert an die einer extrem lang gezogenen Bienenwabe. „Hinter jeder dieser kleinen Linsen sind 205 000 Bilder abgelegt“, erklärt von Laffert. Würde man die winzige Linse unter einem Mikroskop aus jeweils minimal unterschiedlichen Betrachtungswinkeln beobachten, sähe man, dass hinter dem Fischauge nacheinander 205 000 verschiedene Ansichten des gleichen Motivs ins Blickfeld kommen. Mit der Zahl wächst die Güte der Bildauflösung und der räumlichen Darstellung. Zum Vergleich: Hinter jedem Bildpunkt einer Wackelpostkarte stecken lediglich 900 winzige Bilder.

„In der Werbung wäre es ein neuer Hingucker“, sagt Michael Agel, Deutschland-Sprecher des Kameraherstellers Leica. Doch er bleibt zurückhaltend: „Um Technologie für die dreidimensionale Fotografie im großen Stil zu bauen, ist der Markt wohl zu klein.“ Hersteller wie Minolta, Panasonic oder Nikon sehen das ebenso – und konzentrieren sich lieber auf den Preiskampf in populären Endkundensegmenten. Lediglich der Objektivhersteller Novoflex in Memmingen, der viel Know-how in der Panoramatechnologie aufgebaut hat, gilt in der Branche in Deutschland als brauchbarer Ansprechpartner für das Thema Räumliche Fotografie. Dementsprechend schwierig ist die Partnersuche für Realeyes.

Hersteller von DVD-Oberflächen, aber auch Optikunternehmen gehören zu den Firmen, mit denen die Kieler bei der Entwicklung kooperieren. Nach drei Jahren reiner Forschungsarbeit baut Realeyes am ersten Prototypen – einem Film, der für die Werbeindustrie attraktiv sein soll. Aus drei Metern Abstand sollen die Bilder am besten wirken, sagt von Laffert. Realeyes entwickelt zudem einen Belichtungsplotter, der 3-D-Fotos elektronisch bearbeiten kann.

Das Land Schleswig-Holstein fördert das Vorhaben mit 580 000 Euro. „Diese neuartige Fotografie ist weltweit ohne Konkurrenz“, erklärt der Wirtschaftsminister des Landes, Dietrich Austermann. Er erwartet, dass die Technologie auch in der Kartographie zum Einsatz kommt. Von Laffert hat zudem die Unterhaltungsbranche als Kunden im Visier. „Ich finde, auch dreidimensionale Bühnenbilder im Theater sind eine aufregende Vorstellung“, sagt er.

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