Großraum Kassel spart mit Hybridbahnen teure Streckenelektrifizierung – Alstom LHB hofft auf viele Nachahmer
Tramtrain fährt auch ohne Fahrdraht

Die Region Kassel entwickelt sich zu einem Mekka für Verkehrsfachleute aus aller Welt. Was sie interessiert, ist ein bislang weltweit einzigartiges Stadtbahnsystem. Die „Regiotram“ wird künftig vom innerstädtischen Straßenbahnnetz auf Eisenbahnstrecken ins Umland überwechseln – auch auf Linien ohne Stromversorgung durch die Oberleitung. Möglich wird dies durch neuartige Hybridfahrzeuge, die Strom- und Dieselantrieb haben.

KASSEL. Die Fahrzeuge, die die deutsche Konzerntochter Alstom LHB in Salzgitter liefert, sind weitgehend baugleich mit Elektro-Trams. Ihre Spezialität ist auf dem Fahrzeugdach installiert: Neben den elektrischen Aggregaten für den Straßenbahnbetrieb mit 600 Volt Gleichstrom ist dort ein Dieselmotor untergebracht. Der bringt auf allen Strecken ohne Oberleitung einen Generator ans Laufen, der den Bahnstrom erzeugt.

Für den Großraum Kassel ist dieses Fahrzeug eine Chance, in nur drei Jahren ein attraktives Schienennahverkehrsnetz zu knüpfen, erläutert Thomas Rabenmüller, Geschäftsführer des Nordhessischen Verkehrsverbundes: „Die Region hat nicht die Wirtschaftskraft, um sich ein Stadtbahnnetz mit durchgehend elektrifizierten Strecken aufzubauen. Künftig können wir mit dem Hybridfahrzeug auch ohne Oberleitung fahren – das bringt uns eine überzeugende Kosten-Nutzen-Rechnung.“ Eine Elektrifizierung koste ein bis zwei Mill. Euro je Kilometer.

Pate stand das „Karlsruher Modell“. Dort wurde in den vergangenen zwölf Jahren ein 500 Kilometer langes Stadtbahnnetz aufgebaut, das komplett elektrifiziert ist. In der Stadt rollen Zwei-System-Bahnen im Stromsystem der Straßenbahn. Außerhalb nutzen sie elektrifizierte Bahnstrecken der Deutschen Bahn mit 15 Kilovolt Wechselstrom.

Vorerst will Kassel zehn Hybridtrams auf zwei nicht elektrifizierten Strecken einsetzen. „Unser Prinzip ist es, mit einer begrenzten Investition einen hohen Nutzen zu erzielen“, erklärt Klaus Bader, Technikchef der Kasseler Verkehrsgesellschaft, die die Fahrzeuge bei Alstom LHB bestellt hat. Auf zwei weiteren elektrisch betriebenen Vorortstrecken der Bahn werden 18 Zwei-System-Fahrzeuge wie in Karlsruhe eingesetzt; zwischen Kassel und Warburg ist das bereits fahrplanmäßiger Alltag.

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