Handel und Industrie ringen um Standard für RFID-Mikrochips
Winzige Chips ersetzen den Barcode

Nach Meinung von Experten wird es zwar noch mindestens fünf Jahre dauern, bis es Supermärkten gelingt, mit winzigen Chips ihre Ware vom Hersteller bis zum Kunden lückenlos zu verfolgen. Doch der Kampf um den weltweit maßgebenden Standard ist bereits jetzt voll entbrannt.

DÜSSELDORF. Das berührungslose Datenübertragungssystem mit so genannten RFID-Chips (RFID steht für Radio Frequency Identification), so scheint es, verheißt Handelsketten ein derart hohes Einsparpotenzial, dass viele eine gemeinsame Technologiesprache erst gar nicht abwarten wollen. Schon für die nächste Kollektion seiner Hausmarke „Sisley“ will beispielsweise der italienische Modehändler Benetton ein von Philips und Smart Lab ID entwickeltes System ordern, das unter anderem die Anzahl fehlgeleiteter Sendungen an die Franchise-Filialen reduzieren soll.

Benetton setzt auf die elektronischen Etiketten

Obwohl Benettons In-House-Lösung mit den prominenten Initiativen aus Forschung und Industrie nicht kompatibel ist, funktioniert dessen geplante RFID nach demselben Schema: Schon während der Warenproduktion fügen die Hersteller ihren Artikeln ein kaum sichtbares Identifikationsetikett bei, das einen programmierbaren Chip und eine damit verbundene Miniatur- Antenne besitzt. Diese „Tags“ geben die auf ihnen gespeicherten Daten einem Antennen-Empfänger preis, sobald er sie über die passende Radiofrequenz anfunkt. Falls die auf dem Chip hinterlegten Informationen über Form, Farbe, Herkunft, Produktionsdatum oder Preis nicht vor dem Zugriff geschützt sind, kann das Empfangsgerät sie sogar beliebig überschreiben. Eine eigene Energiequelle braucht der RFID-Tag dazu nicht.

Seit Ende April nutzt der italienische Luxusanbieter Prada diese Technik in seinem 2 300 Quadratmeter großen Nobelgeschäft „Epicenter“ in Manhattans Stadtteil Soho. Dazu hat Texas Instruments allerdings nicht nur die Ware mit den intelligenten Radiofrequenz-Chips ausgerüstet. Drahtlose RFID-Reader erlaubten zudem jedem Verkäufer den direkten Zugang zur Lager-Bestandsliste und zu einer Datenbank, auf der die Präferenzen seiner Kunden hinterlegt sind. Das Verkaufspersonal prüft damit in Sekundenschnelle, ob beispielsweise das gewünschte Kleid in einer anderen Größe vorhanden ist – oder welche alternativen Angebote dem Kunden zur Verfügung stehen. Nähert sich der Modekäufer mit der auserwählten Hose oder Bluse einer der zahlreich aufgestellten Antennen, startet auf einem benachbarten Monitor automatisch eine Video-Präsentation des edlen Kleidungsstücks.

US-Hersteller pushen eigene Technik

Von der technischen Seite erhalten die Textilverkäufer nun sogar zusätzlichen Rückenwind: Die sächsische Franz Schäfer Etiketten GmbH stellte vor wenigen Tagen gemeinsam mit KSW-Microtec einen RFID-Chip auf Textilbasis vor, der sogar das Waschen und Bügeln übersteht.

Ein gemeinsamer RFID-Standard rückt durch all diese Initiativen jedoch keinesfalls näher. Im Gegenteil: In den USA gewinnt unter Führung des „Auto ID Centers“ am Massachusetts Institute of Technology (MIT) der elektronische Produktcode EPC immer stärker an Bedeutung. Als Sponsoren haben die Wissenschaftler in Cambridge dabei bereits Weltkonzerne wie Gillette, Johnson & Johnson, Pfizer, Unilever oder Wal-Mart hinter sich gebracht.

Schon jetzt fürchten Branchenexperten eine babylonische Sprachverwirrung: Der Produktcode EPC ist völlig anders aufgebaut als der europäische Strichcode EAN, den RFID- Entwickler hier zu Lande als Vorlage verwenden. „Wir befinden uns derzeit in intensiven Gesprächen mit den USA, um nach einer Lösung zu suchen“, berichtet Frank Horst vom Kölner Euro-Handelsinstitut (EHI).

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