Handy-Bildqualität
Dünne Bänder mit großer Haftkraft

Elektronische Geräte wie Handys oder Digitalkameras werden auch heute noch oft per Hand montiert. Der Monteur muss dabei aber nicht viele kleine Schrauben festziehen, sondern er verbindet die einzelnen Bauteile mit dünnen, präzise ausgestanzten Klebebändern, die neben dem Befestigen noch eine Vielzahl weiterer Funktionen übernehmen.

DÜSSELDORF. „Klebebänder sind heute High-Tech-Produkte, die speziell für jeden Kunden und jedes Produkt speziell entwickelt werden“, sagt Reinhard Storbeck, Entwicklungsleiter beim Hamburger Hersteller Tesa. Das Beiersdorf-Unternehmen hat 1936 den transparenten Klebefilm für Büro und Haushalt entwickelt und weltweit berühmt gemacht. Heute erwirtschaftet Tesa 78 Prozent des Umsatzes (2006 805 Mill. Euro) mit selbstklebenden Bändern, die in der Industrie eingesetzt werden und gehört neben 3M und dem japanischen Unternehmen Nitto zu den führenden Firmen bei der Herstellung von Klebebändern.

Kaum eine Branche profitiert vom Trend zur Miniaturisierung so sehr wie die Klebstoffindustrie. Da Digitalkameras und Handys immer kleiner und leichter werden – gleichzeitig aber immer mehr Funktionen integrieren müssen – benötigen die Hersteller Techniken, mit denen sie die einzelnen Komponenten in den Geräten sicher und einfach befestigen können. Früher wurden dazu Nieten und Schrauben genutzt. Doch die sind längst viel zu klobig und zu schwer. Sie wurden von dünnen, schmalen Klebebändern ersetzt, die die vielen winzigen elektronischen Bauteile, das Gehäuse und Teile der Optik dauerhaft miteinander verbinden.

Ein anderer großer Einsatzbereich für die selbstklebenden Bändern ist die Automobilindustrie. Der Markt für Klebefolien sei ein Wachstumsmarkt, sagt Ansgar von Halteren, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Klebstoffe. „Die Hersteller erschließen kontinuierlich neue Anwendungen.“ Von den weltweit 40 Mrd. Euro, die der Klebstoffmarkt ausmacht, würden alleine 12 Mrd. Euro durch den Verkauf von Klebebändern erzielt. „Zweidrittel der Produkte gehen in die Industrie“, sagt von Halteren.

„Die Herausforderung, die an die Klebebänder gestellt werden, sind enorm“, sagt Tesa-Entwicklungschef Storbeck. Die Klebebänder müssen in der Regel sowohl tiefe als auch hohe Temperaturen aushalten, dürfen keine Gase freisetzen und müssen immer größere Klebekräfte besitzen. „Wenn die Geräte immer kleiner werden, müssen auch die Klebebänder immer dünner werden“, sagt Storbeck. Filigrane Strukturen von 0,1 und 0,2 Millimeter seien inzwischen die Norm.

Darüber hinaus sollen die Klebebänder beim Energiesparen helfen und die Bildqualität der Displays verbessern. „Streulicht, das aus dem Innern der LCDs am Rand austritt, beeinträchtigt die Wiedergabequalität“, sagt der Tesa-Entwicklungsleiter. Mit reflektierendem Trägermaterial könne das störende Licht dorthin zurückgeworfen werden, wo es benötigt wird – zur Hintergundbeleuchtung der Bildschirme. „Durch eine solche intelligente Lichtführung kann der Gesamtstromverbrauch der LCDs deutlich gesenkt werden“, sagt Storbeck.

Wettbewerber 3M entwickelt darüber hinaus Bänder mit einem Einkomponenten-Klebstoff, die bei der Montage nur gering haften – falsch platzierte Bauteile können dadurch einfach korrigiert werden. Sind die Teile am richtigen Ort, werden die noch lockeren Klebestreifen mit ultraviolettem Licht blitzschnell fixiert. Solche Lösungen seien vor allem für die Automobilindustrie interessant, sagt Jürgen Klingeln, Chef der deutschen F&E Abteilung, „wo Klebstoffe ebenfalls einen Großteil der Schraub- und Nietverbindungen ersetzt haben.“

Das Unternehmen hat erste aushärtbare Klebebänder für die Montage von Spiegeln im Auto entwickelt. Der Kleber entfaltet seine endgültige Kraft durch Erwärmen auf 130 Grad Celsius. Mit einem neuen Klebstoff, der mit Licht aushärtet, soll dieser Prozess beschleunigt werden. Für die Elektronikindustrie hat 3M zudem Klebstoffe entwickelt, die wärmeableitend sind und elektrischen Strom übertragen können. Darüber hinaus bietet die Firma Haftklebstoffe an, die gedruckt werden können. Durch Aufdrucken des Klebstoffes auf Papier oder Folien lässt sich der hohe Abfall vermeiden, der bei der Herstellung von Stanzteilen aus flächigen Klebebändern entsteht.

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