HDTV im Krankenhaus
Gestochen scharfe Bilder für die OP

HDTV hält Einzug in deutsche Kliniken. Allerdings dreht es sich dabei nicht um Unterhaltungselektronik, sondern um eine wertvolle Hilfestellung für die Chirurgie: Minimal invasive Eingriffe können durch gestochen scharfe Bilder die Genauigkeit stark verbessern.

BERLIN. Hochauflösendes Fernsehen ist im Wohnzimmer ein Vergnügen, im Krankenhaus hilft es, Leben zu retten, denn die brillanten Bilder lassen Ärzte präziser arbeiten. „Die Darstellung auf dem Operationsmonitor ist gestochen scharf, so dass auch kleinste Gefäße sichtbar werden, die in üblicher Technik oder mit bloßem Auge nicht erkennbar wären“, begeistert sich Andreas Weskott, Chefarzt der Chirurgie am Vivantes-Klinikum in Berlin Prenzlauer Berg. Dort wird die HDTV-Technologie im klinischen Routinebetrieb eingesetzt. „Damit sind wir das erste deutsche Krankenhaus, das HDTV als Standard einführt. Weitere werden rasch folgen“, ist Weskott überzeugt.

Vor allem bei minimal-invasiven Eingriffen in der Chirurgie böten die fünfmal höher als üblich aufgelösten Breitbandbilder für Arzt und Patienten Vorteile: „Wir können entspannter und exakter operieren. Weil die hohe Auflösung die Augen des Chirurgen weniger anstrengt, kann dieser länger konzentriert arbeiten“, erklärt der Klinikdirektor den Vorteil der HDTV-Technik. Für Patienten bringe das mehr Sicherheit. „Außerdem erholt er sich schneller, da der Operateur gewebeschonender arbeiten kann“, sagt Weskott.

Der Chirurg sieht generell einen Trend zu Schlüsselloch-OPs – etwa, wenn die Gallenblase entfernt werden muss. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Minimal Invasive Chirurgie werden in Deutschland mittlerweile 60 bis 70 Prozent der Gallenblasen auf diese Weise entfernt – am Vivantes Klinikum Prenzlauer Berg sind es gar 93 Prozent. Ebenso werden Leistenbrüche, Blinddarmentzündungen sowie Magen- und Darmoperationen bevorzugt durch kleine Schnitte in der Bauchdecke erledigt. HDTV könne hier für noch höhere Quoten sorgen, glauben Experten. Denn bislang war die weniger aufgelöste Videotechnik für sehr diffizile Eingriffe, etwa in der Krebschirurgie, nur begrenzt tauglich. Im Zweifel musste dann zum großen Schnitt angesetzt werden.

Auch die Evangelische Huyssens-Stiftung der Kliniken Essen-Mitte testet derzeit HDTV. Aus Essen wurden live zwei Operationen im High-Definition-Format zum Chirurgenkongress Anfang Mai nach München übertragen. „So etwas habe ich noch nie gesehen. Diese Bildtechnik übertrifft alles, was bisher möglich und denkbar war. Das ist, als operiere man wie unter einem Mikroskop“, sagt Martin K. Walz, Chefarzt der Klinik für Chirurgie und des Zentrums für minimal invasive Chirurgie in Essen. Die Unterschiede in der Bildqualität früher und heute ließen sich am einfachsten mit dem Quantensprung zwischen VHS- und DVD-Wiedergabe vergleichen, meint der Professor. So würden anatomische Strukturen detaillierter sichtbar, so dass nun auch kleinste Nerven, Nervenfasern und Blutgefäße, etwa 20-fach vergrößert, zu sehen sind.

In der Diagnostik setzen Kliniken schon länger auf HDTV. In der Endoskopie des Oldenburger Pius-Hospitals wird die Technik für Magen- und Darmspiegelungen genutzt. Das erleichtert auch kleinere Eingriffe wie das Entfernen von Polypen. Mit speziellen Farbfiltern werden für das Auge unsichtbare Strukturen kenntlich gemacht. „Mit der HDTV- Technik werden selbst kleinste Veränderungen in der Schleimhaut von Magen, Darm oder Speiseröhre sichtbar, womit sich beispielsweise Speiseröhrenkrebs bereits in der Entstehungsphase diagnostizieren lässt“, erklärt Jens Kühne, Leitender Arzt der Gastroenterologie im Pius-Hospital. Wird der Krebs so früh erkannt, dann kann die erkrankte Schleimhaut endoskopisch entfernen werden.

Zudem schätzen Mediziner das plastische Bild der neuen Videotechnologie, wodurch künftig meist nur mäßig auflösende 3D-Optiken ins Hintertreffen geraten könnten – zumal HDTV deutlich billiger ist. Letztlich profitieren die Patienten. Der durch die HDTV-Auflösung geschaffene Pseudo-3D-Eindruck steigert die Sicherheit deutlich, da anatomische Strukturen, die Ausdehnung eines Tumors etwa, besser einzuschätzen sind.

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